Ausstellungen

Harry Lybke über das EIGEN+ART Lab

Gerd_Harry_LybkeHerr Lybke, Sie setzen in Ihrem Berliner Zweitdomizil auf neue, internationale Künstler von auswärts. Warum?
Wir sind bereits international aufgestellt. Doch wir haben seit 1983 einen langen Weg gemacht und langfristige Planungen mit unseren Stammkünstlern. Da hätte ich nie die Möglichkeit gehabt, anderen, die mir auffielen, eine Plattform zu geben. Anfänglich war die Idee, nur Leute zu nehmen, die hier leben. Aber dann habe ich auf die Arbeiten geguckt, von Marc Desgrandchamps aus Lyon oder Ryan Mosley (Abb. rechts: „Distant Ancestry IV“) aus London etwa, und mich lieber für Inhalte entschieden.

Wie arbeiten Sie in Ihrem Labor?
In der Regel ist es so, dass man mit den Künstlern, die man vertritt, redet und versucht, deren Arbeit in einen internationalen Kontext zu stellen. Wo sind Anschlusspunkte, wo Reibungsflächen? Der Reflexion der eigenen Arbeit tut es gut, wenn man sich in einen Vergleich begibt.

Schmoren die Berliner Galerien zu sehr im eigenen Saft?
Eigentlich müsste man Nein sagen, weil sie ja auch internationale Künstler zeigen. Es hat sich eher unbewusst so ergeben, dass unter anderem die Künstler übrig blieben, die ich eben nannte, weil ihre Arbeiten mich überzeugten. Ich wollte internationale Künstler aus Berlin nehmen. Jetzt habe ich nur Leute, die dort arbeiten, wo sie herkommen. Das muss eine Bedeutung haben, wenn ich’s mir recht überlege. Sie bringen frischen Wind mit und neue Kontakte.

Hat der Run auf die Leipziger Schule nachgelassen? ?
Nein, hat er nicht. Wahrscheinlich zum Bedauern von vielen.

Im EIGEN+ART Lab starten Sie mit Gemälden des Briten Ryan Mosley. Wie haben Sie ihn entdeckt?
Seine Arbeiten kenne ich seit zwei, drei Jahren. Das letzte Mal sah ich sie auf der Armory Show. Da habe ich beschlossen, den Künstler im Atelier zu besuchen. Über die Ausstellung, die er jetzt zeigt, sprachen wir vor einem Jahr. So lange hatte er Zeit, sich darauf vorzubereiten.

Und was überzeugte Sie? Passten seine Bilder ins Programm?
Wenn es passen würde, hätte ich es ja schon. Es muss also etwas sein, das das Programm ergänzt. Ich finde ihn als Maler schlicht einen Ausnahmekünstler. Deshalb begleiten wir diesen und andere Newcomer auch mit Katalogen.

Sehen Sie bei ihm oder einer der kommenden Neuentdeckungen Markenpotenzial – also einen neuen Neo Rauch?
Das wird sich zeigen.

Die Ausstellungen laufen bis zu drei Monaten. Halten Sie es für wichtig, dem gefräßigen Markt Langsamkeit entgegenzusetzen?
Ja, in gewisser Weise schon. Ich denke, Entschleunigung ist wichtig. Das halten wir auch in unserer Leipziger Galerie so mit einer langen Laufzeit. Der Künstler kann davon ausgehen, dass seine Ausstellungen auch gesehen werden. Dies sorgt für Nachhaltigkeit. Sonst rennen wir nur noch Terminen hinterher. Der eigentliche Antrieb ist der inhaltliche Anspruch und die Auseinandersetzung mit dem Künstler. Das zu vermitteln, ist auch unser Anspruch nach außen.

Haben es junge Künstler heute schwerer als vor 20 Jahren??
Ja, viel schwerer. Gleich auf der Uni werden sie beobachtet, müssen rasch Ergebnisse bringen, können sich weniger ausprobieren. Wenn man als Künstler auch Fehler machen darf, ist das wichtig für die eigene Entwicklung. Man darf dabei nicht ständig öffentlich unter Beobachtung stehen. Man muss sich ausprobieren und verändern können, bis man seine eigene Handschrift findet. Dafür hatten die Künstler früher mehr Zeit.

Woher nehmen Sie die Motivation, sich noch einmal zu Neuem aufzuschwingen? ?
Ich habe einfach Lust dazu. Wir haben das Auguststraßen-Viertel 1990 bis 1995 mitkreiert. Wenn es jetzt durch die jüdische Mädchenschule das Herz eingepflanzt bekommt, das zu pulsieren beginnt, ist es gut. Ein Stück Normalität ist wiedergewonnen, die Situation gewachsen. Hier wird nichts von außen aufgepappt. Es ist ein Viertel, das in sich funktioniert, mit einer guten Durchmischung. Unser Labor passt hierher.

Interview: Andrea Hilgenstock

Foto: Uwe Walter

Ryan Mosley: Reversed Limbo EIGEN+ART Lab, in der Jüdischen Mädchenschule, Auguststraße 11-13, Mitte, Di–Sa 11–18 Uhr, Eröffnung Do 29.3., 17–21 Uhr, bis 19.5.

Martin Eder: Asymmetry Eigen+Art Berlin, Auguststraße 26, Mitte, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 5.5.  

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