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„Hauptsache Grau # 02 Lebendiges Grau“ im Mies van der Rohe Haus

Mies_van_der_Rohe_Steingrau_und_Silberregen_02_c_ReinerHausleitner_BezirksamtLichtenbergDie Couleur Grau hat kein allzu gutes Image. Denken wir bloß an die grauen Herren in Michael Endes „Momo“, die alle dazu antreiben, Zeit zu sparen. Man kann es aber auch positiv deuten, wie auch bei der zweiten von vier Präsentationen des Zyklus zum Thema „Hauptsache Grau“. Grau ist die Farbe des Understatements. Grau bringt alle Farben gut zur Geltung, wie etwa das irisierende Gemälde „Epidot“ zeigt, das Claudia Desgranges auf Aluminium gemalt hat. Tinka von Hasselbach lotet die ganze Skala der wenig royalen Farbe in „Nebelgrau“ aus.

Raymund Kaiser orchestriert die HDF-Schicht-Faserplatte in Grisette-Nuancen. Bereits in der Renaissance suchten Maler in meisterhaften Grisaillen ihre Bildhauerkollegen in den Schatten zu stellen. Der allerschönste Part in der Hohenschönhauser Villa ist aber wohl von Landschaftsarchitekt Udo Dagenbach, der Mies’ Revolutionsdenkmal auf dem Friedhof Friedrichsfelde für die Revolutionsopfer der Berliner Januarkämpfe im Jahre 1919 in ein Gartenkunstwerk transformierte: Eindringlich hat er mit seinem Landschaftsgarten durch Konzentration auf die „Staudenliste – flachwachsend, grau-silberlaubig“ bewiesen, dass keineswegs nur knallbunte Flora die Sinne überwältigen kann.

Schon 1931 wurde die Inschrift „Ich bin, ich war, ich werde sein“ entfernt, 1933 wurde das Denkmal beschädigt und 1935 komplett abgetragen. Nun hat Dagenbach einen „architektonischen Garten“ geschaffen. Das Spiel mit geometrischen Formen passt wunderbar zum Mies-van-der-Rohe-Haus. Unbedingt noch in diesem Sommer hinfahren! Manches was strahlt, ist eben grau.

Text: Martina Jammers

Foto: Reiner Hausleitner / Bezirksamt Lichtenberg

tip-Bewertung: Herausragend

HAUPTSACHE GRAU # 02 Lebendiges Grau Mies-van-der-Rohe-Haus, Oberseestraße 60, Höhenschönhausen, Di–So 11–17 Uhr, bis 18.8.

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