Ausstellungen

Heiner Wemhöner gewährt Einblicke in seine Kunstsammlung

Wo einst Max Hetzler imposante Galerieräume bespielte, wagt nun Heiner Wemhöner erstmals den Schritt in die Öffentlichkeit. Der westfälische Maschinenbau-Unternehmer präsentiert in den Osram-Höfen einen Ausschnitt aus seiner beeindruckenden Sammlung. Für einen begrenzten Zeitraum erwartet die Besucher ein spannender Mix aus hochästhetischer und substantieller Kunst – vom Acker-Abguss Asta Grötings bis zum geschrumpften Putin Erwin Wurms.

Natürlich war Wemhöner schon öfter in Berlin. Seit der Mann aus Herford zu sammeln begann, streift er immer wieder durch die ansässigen Galerien. Dabei zeigt sich eine Vorliebe des 63-Jährigen für starke Skulpturen wie die von Tony Cragg, und Fotografie, etwa von Andreas Mühe. Ein weiterer Akzent liegt auf asiatischen Künstlern wie dem Tibetaner Gonkar Gyatso.

Aus der auf rund 600 Werke angewachsenen Sammlung wählte Kurator Philipp Bollmann etwa 90 Arbeiten von 28 Künstlern aus. Seine inspirierte Hängung schafft schöne Korrespondenzen, so zwischen den virtuosen Zeichnungen Guillaume Bruиres, der in wilden Strichen eine Tanzperformance einfängt, und Erik van Lieshouts die Figuration gestisch auflösender Malerei.

Besonders die Fotografien graben sich ins Gedächtnis. Nicolai Rapp lichtete weiße Säcke mit Kleiderspenden ab: „Dead white mens clothes“, wie Afrikaner glauben, denn dort kann sich niemand unseren Überfluss vorstellen. Politisch, ohne dass man es merkt, weil die kühle Ästhetik in Bann zieht, sind auch die Ansichten der Eisberge, die Julian Charriиre erklomm. Mit dem Bunsenbrenner fackelt er ab, was die Klimaerwärmung noch nicht schaffte.

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mit frühen Werken seiner? Künstler.

Michael Najjar führt mit seinen Fotomontagen ins All. 2015 will der Künstler selbst dorthin starten. Allmächtiger! Der Abstecher ins Weltall wird 20 Minuten dauern und einiges kosten. Wemhöner fördert außergewöhnliche Projekte. Neben „Outer Space“ auch den Videofilm „Playtime“ von Isaac Julien. Er ist ein Highlight der Ausstellung und hinterfragt den Kunstmarkt. Für den 50-minütigen Streifen, der über die große Leinwand flimmert, sollte man Zeit mitbringen. Wer die nicht hat, kommt in der reichhaltigen Schau trotzdem auf seine Kosten: Er kann an Filmstills vorbeiflanieren, eine Installation der Berliner Künstlerin Alexandra Ranner kennenlernen und gehaltvollen Werken von Alfredo Jaar begegnen.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Isaac Julien / Courtesy Victoria Miro, London

Einblicke In die Sammlung Wemhöner Osram-Höfe, Oudenarder Straße 16–20, Wedding, Do–So 13–18 Uhr, 23. März–18. April

 

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