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Fotografie

Herrenmenschenmentalität und Selbstüberzeugung: „Deutscher Kolonialismus“ IM DHM

Spurensuche: Als Kamerun Kolonie war

haus am flu√ü2 001 Andréas Lang, Das Haus am Fluß, Kamerun 2012 © Andréas Lang
Das Haus am Fluß, Kamerun 2012 © Andréas Lang

Das irrste Foto zeigt Reinhold Koblich, wie er auf seinem zahmen Flusspferd reitet. Es ist 1907, Kamerun deutsche Kolonie, und Koblich dort bei den Schutztruppen. Rund 100 Jahre später findet sein Urenkel, der Fotograf Andréas Lang, diese und andere historische Aufnahmen sowie Koblichs Tagebuch durch Zufall auf dem Dachboden. Der Fund beschäftigte Lang so sehr, dass er nach Kamerun und Kongo fährt und dort auf die Suche nach den Spuren der Kolonialzeit geht. Er findet halb verfallende Gebäude, eine große Säule mit Adlerskulptur, Backsteintürme mit Zinnen, eine alte Hängebrücke. Lang ist ein vielfach preisgekrönter Fotograf und seine Aufnahmen sind interessant. Doch sehr viel interessanter sind die historischen Aufnahmen, weil sie eben nicht nur Gebäude sprechen lassen, sondern auf ihnen auch die Menschen zu sehen sind, die unter der Kolonialzeit litten: Männer, die zur Schwerstarbeit beim Brückenbau gezwungen wurden. Frauen, die in europäische Kleider gesteckt und zu Mätressen der Kolonialherren gemacht wurden. Und diese Fotos zeigen, mit welcher Herrenmenschenmentalität und Selbstüberzeugung – siehe den Flusspferd­ritt – man irgendwo in Afrika landete, um sich das Land untertan zu machen. Doch das Thema ist komplex und riesig. Insgesamt fühlt man sich mit den Fotografien recht allein gelassen und wünscht sich mehr historische Einordnung und Denkanstöße. Vielleicht wirkt diese persönliche Ausstellung anders, wenn im Oktober die große DHM-Schau „Deutscher Kolonialismus“ startet.

Deutsches Historisches Museum Unter den Linden 2, Mitte, bis 26.2., tgl. 10–18 Uhr

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