• Kultur
  • Ausstellungen
  • „Hildegard Ochse (1935–1997). Das Vermächtnis einer Autorenfotografin“ im Haus am Kleistpark

Ausstellungen

„Hildegard Ochse (1935–1997). Das Vermächtnis einer Autorenfotografin“ im Haus am Kleistpark

Hildegard_Ochse_Beamter_579-25-87_c_HildegardOchseEin junger Mann stützt seinen Arm am Bar­tresen ab, seine Körperhaltung ist lässig, der Blick geht ins Leere. Eine stark geschminkte Frau nippt an ihrem Getränk, in der Hand eine Musikzeitschrift, um sie herum Zigarettenstummel und Alkoholflaschen – Szenen aus dem Schöneberger Cafй Mitropa, das heutige Cafй M, Anfang der 80er-Jahre. Hier traf sich die „No Future“-Generation und mitten drin: Hildegard Ochse. Die Fotografin zog mit ihrer Familie 1971 nach Berlin-West und begann Mitte der 70er-Jahre, das Fotografieren autodidaktisch zu erlernen. Im ­Cafй M dokumentiert sie den antibürgerlichen Zeitgeist, distanziert, aus einer Beobachterposition heraus. Ihren unbestechlich-sachlichen Stil hat Hildegard Ochse nicht zuletzt durch ihre Zeit als Schülerin in der „Werkstatt für Photo­graphie“ der Volkshochschule Kreuzberg unter Leitung des berühmten Berliner Fotografen Michael Schmidt gefunden. Ende der 70er-Jahre avancierte die „Werkstatt“ zum bedeutenden Ort für die künstlerisch orientierte Fotografenausbildung.

1981 begann Ochse als freiberufliche Fotografin zu arbeiten, sie fotografierte auf Reisen in Frankreich, Italien oder Jerusalem, aber insbesondere in Berlin. Die Stadt, die für sie voller Widersprüche steckte und mit der sie eine Hassliebe verband. Mehr als 5?000 Schwarz-Weiß-Fotografien umfasst das Werk der 1997 verstorbenen Fotografin. Die Ausstellung zeigt nun mehr als 190 Originalabzüge aus ihrem Nachlass. Der Fokus liegt hierbei auf ihren Berliner Arbeiten, die durch ihre intensive Bildsprache selbst verbrauchten Motiven wie der frisch gefallenen Mauer 1990 eine besondere Note verleihen. In dieser ersten Retrospektive sind Werke aus sieben thematisch unterschiedlichen Bildserien zu sehen, darunter eine Porträtserie von Berliner Verwaltungsbeamten und Aufnahmen aus der Stadtbahn, die durch das Spiel mit Schärfe und Unschärfe die Wahrnehmung des Betrachters herausfordern.

Text: Steffi Sandkaulen

Foto: Hildegard Ochse

Hildegard Ochse (1935–1997). Das Vermächtnis einer Autorenfotografin Haus am Kleistpark, Grunewaldstr. 6/7, Schöneberg, Di–So 10–19 Uhr, bis 29.7., Eintritt frei; So 17.6., 16 Uhr, Führung mit Enno ­Kaufhold und Benjamin Ochse

Mehr über Cookies erfahren