Neue Positionierung

Hiwa K im KW Institute for Cotemporary Art

Das narrative Element feiern – Hiwa K, Nicholas Mangan, Ronald Jones: Im KW Institute for Contemporary Art sind drei neue Ausstellungen zu sehen die vor allem eines sind: klar und aufgeräumt

Hiwa K Moon Calendar, Iraq, 2007 Video, 4:3, Farbe, Ton/color, sound 12:16 min Video Still © Hiwa K Courtesy Hiwa K und/and KOW, Berlin

Der neue Direktor Krist Gruijthuijsen startet im KW Institute for Contemporary Art mit einem Programm in sein erstes Jahr, das sich direkt an die Arbeit der Künstler und weniger an kuratorische Thesen halten soll. Das wäre fast ein Bruch mit der Tradition der KW, die sich seit den 1990ern auch durch starke kuratorische Ideen und Erzählungen auszeichnen. Was aber ist wirklich neu? Gerade eröffneten gleich drei neue Ausstellungen auf allen Ebenen de Hauses. Was allen dreien eigen ist, ist der narrative Aspekt, der die zwei Einzelausstellungen und die sich mit dem Werk des amerikanischen Konzeptkünstlers Ronald Jones auseinandersetzende Gruppenschau „Enemy of the Stars“ durchzieht.

Die beinahe schon kunsthistorische Aufarbeitung von Jones Werk zeigt sich extrem klar und aufgeräumt und räumt jeder der Arbeiten ihren Platz ein, was dem minimalen und konzeptuellen Ansatz von Jones, Geschichte und ihre Artefakte als Medium aufzufassen, zugute kommt. Im Stockwerk darüber geht es weiter mit Hiwa K, der im letzten Jahr den Kunstpreis der Schering Stiftung gewann. Unter dem Titel „Don’t Shrink Me to the Size of a Bullet“ wird auf zwei Etagen ein Blick in das Gesamtwerk des Künstlers geworfen. Als irakischer Kurde und Flüchtling steht der Künstler selbst als Person mitten im – politischen – Diskurs und in seinen Arbeiten setzt er sich intensiv mit Fragen nach Identität und Heimat auseinander. Gerade die Videoarbeiten „The Bell Project“ und die neu entstandene Arbeit „The Existentialist Scene in Kurdistan“ dringen ohne unnötige Inszenierungen nah und zutiefst menschlich an die Subjekte der Arbeit heran, was den Werken eine besondere Qualität verleiht. In „The Bell Project“ kauft Hiwa K von einem Altmetallhändler im nördlichen Irak Munitionshülsen und Panzerteile und lässt dieses Rohmaterial in einer italienischen Glockengießerei zu einer Glocke gießen. Die andere Arbeit zeigt auf sechzehn Monitoren Mitglieder der in den 80er Jahren aktiven „Existentialisten“-Szene in Kurdistan, die heute über die ganze Welt verteilt ist.

Den dritten und vierten Stock der KW bespielt der australische Künstler Nicholas Mangan mit „Limits to Growth“. Mangan beschäftigt sich in seiner künstlerischen Praxis ausführlich mit kolonialen Prozessen und Ausbeutung. Das reicht von der (historischen) mikronesischen Steinwährung „Rai“, die er Bitcoins gegenüberstellt, bis hin zum Inselstaat Nauru, der nach plötzlichem Reichtum durch Phosphatabbau inzwischen nicht nur Teile des Archipels verwüstet hat, sondern auch pleite ist und heute als – von Australien bezahltes – Flüchtlingslager herhält. Der vierte Stock macht auf den ersten Blick den Eindruck, als sei man an einem Generator vorbei in das Lager eines Aussteigers auf einer unbewohnten Südseeinsel vorgestoßen, der Kokosnüsse liebt. Dieses Environment beschäftigt sich mit dem weithin unbekannten Bürgerkrieg auf der Insel Bougainville, der im Zuge der Ausbeutung der Kupfervorkommen ausbrach.

„Enemy of the Stars“ bis 6.8. Hiwa K, Nicholas Mangan bis 13.8. KW Institute for Cotemporary Art, Auguststr. 69, Mitte, Mi – Mo 11– 19, Do 11 – 21 Uhr
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