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Ho Tzu Nyen in der DAAD Galerie

Ho Tzu Nyen

Da fühlt man sich als westlicher Cineast kurz ganz zu Hause: Woody Allen quält sich stadtneurotisch an der Schreibmaschine. Jack Nicholson tippt manisch in „Shining“, James Franco als Allen Ginsberg schreibt kathartisch am Langgedicht „Howl“, im gleichnamigen Film. Der Videokünstler Ho Tzu Nyen aus Singapur, der 2011 bei der Venedig-Biennale den Pavillon seines Landes gestaltet hat, montiert solche Szenen zu einem 16-Minuten-Loop. Aus dem Off betextet, verliert die Montage rasch ihre Vertrautheit, so wie wir auch unser Vertrauen in den Autor Gene Z. Hanrahan aus den 1950ern verlieren. Der hat Hemingway-Texte herausgegeben, das Standardwerk zur Malaysischen Kommunistischen Partei geschrieben und zur mexikanischen Revolution, aber auch über Ölhandel im Nahen Osten geforscht. Ho Tzu Nyen weist es mit Büchern nach, die er im Vorraum drapiert hat, versehen mit Post-its und Markierungen. Irgendwie eine Spur zu groß für einen einzigen Mann. So wirft der Film dann auch die Frage auf, ob es sich nicht eher um ein Kollektiv aus Schreibern handeln muss. Die Schnitte legen das nahe. Identität und Autorenschaft sind hier die Sujets. Da vergisst man sogar James Franco.

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Ho Tzu Nyen / daad

Ho Tzu Nyen, DAADGalerie, Zimmerstraße 90/91, Mitte, Mo–Sa 11–18 Uhr

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