Ausstellungen

Hokusai im Martin-Gropius-Bau

hokusai_welle„Seit meinem sechsten Lebensjahr habe ich Dinge meiner Umgebung abgezeichnet. (…) Doch waren meine Arbeiten vor dem 70. Lebensjahr unbedeutend. Erst mit 73 Jahren habe ich ein wenig von der Anatomie der Tiere und vom Leben der Pflanzen begriffen“, so schreibt der japanische Grafiker und Maler Hokusai 1834 im Vorwort zu seiner berühmtesten Folge „100 Ansichten des Berges Fuji“. Auch wenn dies echtes japanisches Understatement ist, hat Hokusai sich doch unentwegt um stetige Meisterschaft bemüht.

Jetzt wird dem japanischen Künstler zum ersten Mal in Deutschland eine Retrospektive gewidmet. Bis auf wenige Ausnahmen kommen die 450 Leihgaben für die Ausstellung im Gropius-Bau aus Japan – das Land verlassen hatten sie zuvor noch nie. Seine aufschäumende „Welle“ aus der Fuji-Serie mit ihren beängstigend dazwischen schlingernden Booten ist zweifelsohne sein berühmtestes Werk. Genial, wie er verknappt – und bis zum Ornament stilisiert. In seinem „Manga“-Malhandbuch liefert er anschaulich Informationen aus verschiedenen Lebenssphären seines Landes. In vielfarbigen Farbholzschnitten zeigt er uns Bilder von schönen Frauen aus dem berühmten Vergnügungsviertel Edos, bei denen auch die Erotik nicht zu kurz kommt, markige Sumo-Ringer und Kabuki-Schauspieler. „Ukiyo-e“ heißt dieses Genre: Bilder der fließend-vergänglichen Unterhaltungswelt. Bei diesem Begriff schwingt aber auch eine unbeständige Welt im buddhistischen Sinne mit.

Der Einfluss von Hokusais Bildwelt auf die Moderne war enorm: Van Gogh, Gauguin, Jawlensky, Macke, Manet haben seine Holzschnitte gesammelt und von seinem Talent, komplizierte Bewegungen mit Grazie und Duftigkeit zu komponieren, profitiert. Im Jahr 2000 wollte das Magazin „Life“ in einer Umfrage herausfinden, wer die bedeutendsten Künstler weltweit seien. Hokusai schaffte es auf Rang 17. Noch vor Picasso.

Text: Martina Jammers

Foto: Sumida City

tip-Bewertung: Herausragend

Hokusai – Retrospektive Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, Kreuzberg, Mi–Mo 10–20 Uhr, bis 24.10.

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