Malerei

„Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne“ im Museum Barberini

Das noch junge Museum Barberini setzt schon jetzt ein starkes Statement: Von „Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne“ erzählt auch von den in Deutschland unbekannteren Amerikanischen Modernisten

Foto: Estate of Arthur G. Dove / The Phillips Collection, Washington, D. C.

Das erst im Januar dieses Jahres eröffnete Museum Barberini in Potsdam schafft es gleich mit der ersten thematischen Kuration, eine Ausstellung anzubieten, die man ohne viel Drumherum als wichtig bezeichnen kann: In Kooperation mit der Phillips Collection aus Washington D.C. wird jetzt der Weg der Amerikanischen Moderne nachgezeichnet.

Auch wenn die Ausstellungsarchitektur selbst mit den thematischen Räumen und der etwas zu konventionellen Entwicklung der kuratorischen Erzählung ein bisschen oberlehrerhaft daherkommt und man sich etwas mehr Experimentierfreude gewünscht hätte (für die Duncan Phillips, der Gründer der Phillips Collection im übrigen berühmt war), schafft es diese Ausstellung, eine Leerstelle in der kunsthistorischen Erzählung deutscher Museen auszufüllen.

Sicher, amerikanische Kunst ab der New York School und den späten, fast gänzlich ab­strakt geprägten 1940er Jahren über Warhol bis zu den zeitgenössischen Blue-Chip-Künstlern ist vielen ein Begriff. Aber was ist mit den Künstlergenerationen davor? Insbesondere nach der teilweisen Emanzipation der amerikanischen Künstler von der Europäischen Moderne ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts lassen sich hier Traditionslinien finden, die nicht nur in der amerikanischen Kunst bis heute Nachwirkungen zeigen, sondern sich mitunter auch bei Arbeiten junger Künstler in Berliner Projekträumen und Galerien wiederfinden.

Eines der Hauptsujets ist dabei (neben Porträt und Stadt) ausgerechnet die sonst so oft belächelte Landschaftsmalerei. Hier zeigen sich schon ab dem späten 19. Jahrhundert mit Malern wie Albert Pinkham Ryder und John Henry Twachtman Tendenzen zur Abstraktion von Landschaft in organische Farbflächen. Vielleicht ist es die schiere Weite der amerikanischen Landschaften, die im Detail gar nicht festzuhalten ist, welche zu diesem gänzlich anderen Weg der Abstraktion geführt hat.

Dabei wird das figurative Element auch meist nicht gänzlich aufgegeben. Ein wundervolles Beispiel hierfür ist Georgia O’Keeffes „Meine Hütte, Lake George“ von 1922. Die Landschaft und der Vordergrund verschwimmen im Ungewissen, sind Umriss und Untergrund, vor bzw. auf dem das kleine Holzhaus steht. Nur ein Fenster schaut zu uns hinüber, die Tür steht offen, aber wir wissen – und erkennen – nicht mehr. Dabei sind die Details rar, und alles spielt mit der Idee von Flächigkeit. Ansonsten schaut man auf ein Geheimnis, wie auf einen Filmstill, ähnlich wie bei Edward Hoppers Bildern. So wird das Denken angeregt, eine Erzählung um diesen Moment herum zu spinnen.
Höhepunkt dieser Abstraktion von Landschaften finden sich aber bei dem hierzulande zu Unrecht kaum bekannten Augustus Vincent Tack. Bei ihm zersplittern die Rocky Mountains in scharfkantige Farbflächen vor goldenem Hintergrund, nichts ist mehr figurativ, die Berge als solche bleiben aber dennoch erahnbar – und man wird allein schon aufgrund der benutzten Palette sofort an japanische Farbholzschnitte erinnert.

Und dann sind da natürlich noch die großen Namen: Rothko, Pollock, Hopper, wobei Letzterer mit zwei zentralen Werken vertreten ist. Namen ziehen natürlich Besucher an, Hopper insbesondere; diese Ausstellung hätte sie aber an sich nicht nötig gehabt, denn gerade die Entdeckungen der weniger prominenten Modernen, die in Deutschland fast nie gezeigt werden, machen diese Ausstellung so großartig und zu einem absoluten Must-See in diesem Sommer.

Museum Barberini Humboldtstr. 5 – 6, Potsdam, Mi–Mo 10 –19 Uhr, bis 3.10.

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