Ausstellungen

Humboldt Lab Dahlem

Humboldt_Da_c_HSDas Humboldt-Forum soll aus dem Ethnologischen Museum, das mit einer Sammlung von 500?000 Objekten und einem umfangreichen Ton- und Fotoarchiv zu den größten Museen seiner Art zählt, und dem Museum für Asiatische Kunst, das ebenfalls zu den bedeutendsten in seinem Feld gehört und Werke vom 4. Jahrtausend v. Chr. bis zur Gegenwart präsentiert, entstehen. Vielleicht ein zu großes Projekt für das Fake-Stadtschloss. Gleichwohl versucht man jetzt zu ergründen, wie die Bestände beider Häuser, die im Augenblick in Dahlem untergebracht sind, einmal gemeinsam präsentiert werden können. „Das Humboldt Lab Dahlem ist kein Prototyp für das zukünftige Humboldt-Forum im Berliner Schloss“, betont Agnes Wegner, die Leiterin des bis 2015 befristeten Projekts. „Es gleicht eher einer Probebühne, der Werkstatt-Charakter ist uns wichtig.“ So wird das Humboldt Lab Dahlem zur Museumssimulation. Die begann im Probelauf eins schon im Eingangsbereich, als die Besuchergarderobe mit Vitrinen verlängert wurde. Die klassische Rollenverteilung im Museum wurde so ins Gegenteil verkehrt. Es ging um Identität und das, was zum Beispiel ein Kleidungsstück darüber erzählt, um Dialog und Interaktion. Ein schöner Auftakt zu einem Besuch in einem Museum, das um ferne Kulturen kreist und um das, was diese Kultur repräsentiert.

„Wir möchten eine Begegnung mit Künstlern, Kuratoren und Publikum“, erklärt Wegner. Wie entspannt das gehen kann, lässt sich im Ethnologischen Museum erleben, wenn neben dem bei Kindern beliebten Boot aus Polynesien mit einem Mal eine Discokugel glitzert und Lichtreflexe an die Wand zaubert. Einfacher lassen sich kaum museale Begrenzungen sprengen und Assoziationen freisetzen, bis hin zu Überlegungen über die merkwürdige Beziehung von Entertainment und Museumsideologie, die der Medienkünstler Theo Eshetu in seiner Inszenierung erkennt. Nicht nur wegen der drohenden räumlichen Beschränkung bemüht man sich beim Humboldt Lab, das Museum neu zu denken und das Publikum an diesen Überlegungen teilhaben zu lassen. Bis 2015 verändern sich die Inszenierungen, werden Schwerpunkte neu gesetzt, wie in „Probebühne 2“, worin rund um einen chinesischen Kaiserthron ein „Spiel der Throne“ inszeniert wird (Bild: Agnes Wegner, mit ihren Mitarbeiterinnen Nadine Ney (li.) und Carolin Nüser (re.) in der Installation von Konstantin Grcic). Auch hier werden die Sammlungen der Häuser nicht entlang eines vorgegebenen Bildungskanons ausgerichtet, sondern immer wieder neuen Fragestellungen unterworfen.

Humboldt Lab: Probebühne 2 Arnimallee 27, Dahlem; bis So 27.?10.; www.humboldt-forum.de/humboldt-lab-dahlem

Text: Nicolaus Schröder / Mitarbeit Siyuan He

Foto: Harry Schnittger

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