Kommentar

„Hundstage. Oder: Pipi bei Piene“ von Iris Braun

Hechelnde Labradore, schnaufende Bulldoggen, knurrende Chihuahuas – wer in letzter Zeit eine wichtige Vernissage besucht hat, dürfte sich dabei oft wie auf der örtlichen Hundewiese gefühlt haben

Iris Braun

Das Accessoire Hund ist dort zurzeit allgegenwärtig. Dabei ist es egal, ob der Hundewelpe mit zu Andreas Schmittens Eröffnung geschleppt wird oder ob die Bulldogge sich bei Sprüth Magers überlegt, ob Otto Pienes bodennahe Lichtmaschine wohl einem Bäumchen ähnelt. Wenn sie das Bein gehoben hätte, wäre es für alle Beteiligten noch recht unangenehm geworden. Spritziger als Vernissage-Champagner.
Für die Hunde dürfte es aber eh ein hundsmiserabler Tag sein, wenn sie in übervolle, oft kreischlaute Räume voller Lichtreflexe gezogen werden.
Der Labrador, der sich bei KOW weigerte, in einen komplett stockdusteren Raum gezerrt zu werden, um sich Interpretationen von Flüchtlingsschicksalen anzuhören, hat dabei mehr Verstand bewiesen als das dazugehörige Herrchen. Nicht, dass das schlechte Kunst wäre, ganz im Gegenteil. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Hunde Kunst eher nachlässig rezipieren (und der befragte Hund ist immerhin Collie), Sie sind schlicht mehr an Artgenossen und Wiesen interessiert. Und da gehören sie auch hin, im besten Fall mit ihrem Menschen, der ihnen ein echtes Bäumchen bietet.

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