Kommentar

„Im Bann der Schlange“ von Iris Braun

Im Normalfall dauert es ein paar Tage, bis sich ein neues Haus wie das Barberini als Must-See herumgesprochen hat

Iris Braun

Von daher war man zwar darauf vorbereitet, in Monets Seerosen nicht allein kontemplativ versinken zu können, aber doch guter Dinge, als es am Öffnungswochenende nach Potsdam ging. Die Familie war zu Besuch und wollte neben der Grünen Woche auch Kultur sehen. Schon auf der Brücke vom Hauptbahnhof hin zum Museum zeigt sich aber, dass die Masse in diesen Fall überhaupt nicht träge war, sondern gerade ziemlich flott aufs Barberini zumarschierte, um sich dort in sehr langen Schlagen sehr lange anzustellen und für 14 Euro Kunst anzuschauen – ein stolzer Preis, für den es auf der Grünen Woche noch Snacks und Drinks umsonst gibt. Auch auf die Erklärung, dass es wirklich, wirklich lange dauern wird, wurde im Bildungsbürgertum nur genickt und bei Minusgraden stehengeblieben. Dass das Barberini mit der besucherfreundlichen Impressionisten-Eröffnungsausstellung ein Erfolg werden wird, war klar. Dass sich aber sofort solche Schlangen ums Gebäude ziehen, überrascht – vielleicht auch die Berliner Museen, zeigt es doch, dass sich viele Menschen weder vom Wetter noch von gehobenen Preisen abhalten lassen, wenn sie glauben, es lohnt sich. Für das Kulturforum zum Beispiel wäre zu wünschen, dass die große Alchemie-Ausstellung im April ein ähnlicher Erfolg wird. Schlangen hat man auf der kahlen Fläche davor jedenfalls schon lange nicht mehr gesehen.

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