Kommentar

„Immer in Bewegung“ von Stefanie Dörre

Kunst mag von Können oder auch von sonst was kommen. Darauf will ich mich nicht festlegen. Ihre Betrachtung jedenfalls erfordert in erster Linie Bewegung

Stefanie Dörre

Was man wieder schön beim Gallery Weekend Berlin sehen konnte, als tausende Menschen sich durch die Galerienquartiere in Mitte, Tiergarten und Charlottenburg schoben – im schnellen Schritt auf der Straße und im langsamen in den Galerien, während sie einen Blick auf die ausgestellten Arbeiten warfen.
Nun befinden wir uns in einem  Superkunstjahr, und das erfordert natürlich super viel Bewegung. Erst nach Athen zur Documenta Teil I, dann zur Biennale di Venezia (wo man schon auf der Bootsfahrt zwischen Flughafen und Lagunenstadt bekannte Berliner Gesichter trifft). Und bald nach Kassel und Münster, wo Documenta II und Skulptur Projekte am 10. Juni öffnen. Diese Kunst-Großereignisse sind so angelegt, dass man zwischen den Länderpavillons in den Giardini sowie zum Arsenale beziehungsweise zwischen verschiedenen Orten im Stadtraum (Kassel, Athen, Münster) größere Strecken zurücklegen muss. Frische Luft und viel Bewegung, das Kunstpublikum erkennt man also nicht mehr an einer blassen, sondern an einer gesunden Gesichtsfarbe. Und dann ist ja noch Superreformationsjahr – mit großer Kunstausstellung in Lutherstadt Wittenberg (s. S. 66). Stillstand, nein, das findet man nicht in der zeitgenössischen Kunstbetrachtung. Wäre ja auch kein gutes Signal.

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