Ausstellungen

„Inner and Outer Space II“ in der Temporären Kunsthalle

Nicholson gespiegelt, verdoppelt und versiebenfacht, jung und alt, fluchend und drohend, wahnsinnig und verzweifelt, traurig und bissig, wird da ständig zu seinem eigenen Gegenspieler, kommentiert seine Marotten, ironisiert seine Posen. Er ist der Wächter in seinem eigenen Labyrinth, er ist der Erzeuger seiner eigenen Neurosen, er ist der Pate seiner eigenen Gefangenschaft. Obwohl das Material aus 40 Jahren Kino stammt, wird ein einziger Nicholson-Film daraus, mit Metamor­phosen, die nur logisch erscheinen. Die Arbeit, die Breitz im zweiten Teil ihrer Ausstellung „Inner + Outer Space“, mit der die Temporäre Kunsthalle Berlin eröffnet wurde, zum erstenmal zeigt, ist nicht nur eine hinreißende Hommage an genau diesen einen Schauspieler, sondern auch an den Beruf und seine Identifikationsangebote überhaupt. Denn nicht nur haben in diesem Körper so viele äußerst komplexe Cha­raktere Platz, sondern über seine Leinwandpräsenz werden sie ja auch zu Geistern, die durch das Leben vieler Zuschauer ziehen. So geht es auch in „Him“ wie in dem Video-Leporello „Working Class Hero (A Portrait of John Lennon)“, in dem 25 Musikfans ein John-Lennon-Album singen, wieder um die Teilhabe am Star und das Verhältnis von Individuum und Masse. Nur dass Candice Breitz es diesmal von einer anderen Seite aus betrachtet.

Text:
Katrin Bettina Müller
Foto: Francesca Kaufmann, Yvon Lambert, White Cube, Jay-Jopling

Candice Breitz „Inner + Outer Space Part II“
Temporäre Kunsthalle Berlin,
Schloßplatz, Di-So 11-18 Uhr,
Mo bis 22 Uhr, bis 28.12.2008

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