Ausstellungen

Interview mit dem Kurator Christoph Tannert

Christoph_Tannerttip: CAN haben in den späten 60ern die deutsche Rockmusik revolutioniert und die Ära des Krautrock geprägt. Was kann uns Kunst heute über die Band vermitteln?
Christoph Tannert: Die Ausstellung mit Malerei, Zeichnungen, Objekten, Videos und Klangcollagen zeigt, wie sich bildende Künstler, zum Beispiel Albert Oehlen, Daniel Richter und Norbert Bisky, zur Musik von CAN und zu ihrer Art zu experimentieren verhalten. So entstand ein bildkünstlerisches Ensemble, das durchaus etwas Grenzüberschreitendes hat, weil sich Bild auf Klang bezieht und umgedreht.

tip: Hätten man so ein Kunstprojekt nicht auch einer anderen einflussreichen deutschen Band widmen können, etwa Neu! oder Kraftwerk? Warum CAN?
Tannert: Eben weil Kraftwerk gerade den Kunstbau des Münchner Lenbachhauses mit einer 3D-Videoinstallation bespielt haben, ging unsere Orientierung in Richtung CAN. Krautrock ist reif fürs Museum. Das Besondere an CAN ist ihre Wandlungsfähigkeit und ihre Lust, in jeder Hinsicht Normen zu brechen und dabei free und zugleich groovy zu sein.

tip: Die Musik von CAN zeichnet sich durch Selbstbeschränkung, Schlichtheit und Wiederholungen aus. Sind das auch die roten Fäden in den künstlerischen Interpretationen?
Tannert: Nein, die künstlerischen Zugänge zu CAN sind sehr unterschiedlich und reichen von psychedelischer Malerei, Videos, Porträts der Musiker, Gitarren-Objekten und Foto-Fundstücken bis zu Sound-Interpretationen und Cover-Reminiszenzen.

tip: Haben Sie ein Beispiel für eine besonders gelungene Adaption der CAN-Ästhetik in die bildende Kunst?
Tannert: Das Werk von Robert Lippok. Er hat aus der Übersetzung eines CAN-Songs in ein Strickmuster einen Pullover herstellen lassen und zusätzlich das Strickmaschinengeräusch moduliert.

tip: Die Ausstellung wurde bereits in der Stuttgarter Galerie Abtart gezeigt. Gab es darauf Reaktionen seitens der CAN-Musiker?
Tannert: Auf der Eröffnung tauchte der CAN-Mitbegründer Irmin Schmidt auf und hat mit den Künstlern so manchen Scheidebecher geleert, was ich als hochprozentige Interaktion und Übereinstimmung interpretiere.

Interview: Jacek Slaski

Foto: Oliver Wolff

Halleluhwah! Hommage а CAN Künstlerhaus Bethanien, 25.11.–18.12., Di–So 14–19 Uhr, Eröffnung: Do 24.11., 19 Uhr (mit Konzert der Neokrautrocker atelierTheremin)

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