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Interview mit Norbert Bisky

Interview mit Norbert Bisky

tip Wie haben Sie sich eingelebt in Tel Aviv, Herr Bisky?
Norbert Bisky Ich schaue mit Schrecken auf den Kalender und merke, dass ich bald wieder weg muss. Ehrlich gesagt hab ich im Moment keine Lust, zurück nach Berlin zu kommen. (lacht) Ich plane jetzt schon meinen nächsten Tel-Aviv-Aufenthalt.

tip Was macht die Stadt so attraktiv?
Norbert Bisky Ich kann ziemlich gut arbeiten hier. Dass ich die Stadt toll finde, ist eh klar. Deshalb kam ich überhaupt hierher.

tip Wie unterscheidet sich die Kunstwelt von der in Berlin?
Norbert Bisky Natürlich ist sie kleiner. Das hat aber den schönen Effekt, dass man schneller Leute kennenlernt. Dass man viel ins Gespräch kommt. Es ist überschaubarer als in Berlin.

tip Gestalten sich Ihre Tage anders als in Friedrichshain?
Norbert Bisky Eigentlich sind sie sehr vergleichbar. Aber ich habe einen längeren Weg zum Atelier, was ich sehr schön finde. Ich stehe auf, laufe durch die Stadt und bekomme dadurch schon sehr viel mit von Tel Aviv. Und abends auch. In Friedrichshain gehen mir Geräusche ziemlich auf die Nerven. Ich finde es sehr schön, dass es im Atelier hier oft sehr still ist. Obwohl in der Gegend viel los ist.

tip Ein Atelier ist ein sehr persönlicher Raum. Hatten Sie keine Bedenken zu tauschen?
Norbert Bisky Nein, ich hatte keine Bedenken. Persönliche Dinge kann man ja in die Ecke räumen. Ateliers sind Werkstätten. Die haben ihre Klarheit. Und Werkstätten kann man gut tauschen. Erez und ich haben vorher gesprochen und wir hatten beide das Gefühl, dass es gut funktionieren kann mit uns. Wenn man mit jemandem sprechen kann, ist das ja schon ein guter Ausgangspunkt.

tip Aber das Atelier von Erez Israeli ist sehr viel kleines als Ihres: 80 statt 400 Quadratmetern. Beeinflusst das die Arbeitsweise??
Norbert Bisky Ja, aber das ist auch eine spannende Sache, zu sehen, wie man in einem völlig ungewohnten Raum arbeitet.

tip Jerusalem betet, sagt man, Haifa arbeitet und Tel Aviv feiert. Klingt nach Berlin. Haben Sie schon die Party-Szene erkundet?
Norbert Bisky Ja, allerdings schon 2008. Ich bin bestimmt das zehnte Mal hier. Im Moment bin ich ganz schön am Arbeiten.

tip Woran arbeiten Sie?
Norbert Bisky Öl auf Leinwand. (lacht) Es fließen visuelle Eindrücke meiner direkten Umgebung in die Bilder ein. So ist Tel Aviv in den Werken präsent.

tip Ihre Farben werden sowieso schon wieder heller als noch vor fünf Jahren. Verstärken Strand und Sonne in Tel Aviv das zusätzlich?
Norbert Bisky Naja. (lacht) Im Moment regnet es ja viel. Ist aber auch interessant, wenn in Tel Aviv die Sonne mal nicht scheint.

tip 2008 sind Sie in Mumbai den Terroranschlägen nur knapp entgangen. Wie sicher fühlen Sie sich in Tel Aviv?
Norbert Bisky In Israel fühl ich mich wahnsinnig sicher. Ich glaube, dass es Orte in Europa gibt, die wesentlich gefährlicher sind. Natürlich gibt es eine reale Bedrohung. Und ich bin an harten Problemen viel näher dran als wenn man in Europa im warmen Sessel sitzt und das nur im Fernsehen anschaut oder auf einer Online-Seite. Das Angenehme und Beruhigende ist, dass Tel Aviv ein sehr sicherer Ort ist.

tip Wie schätzen Sie den wechselseitigen Einfluss von Kunst und Künstlern aus Berlin und Tel Aviv ein?
Norbert Bisky Sehr, sehr viele Künstler aus Israel kommen nach Berlin. Es gibt großes Interesse von der israelischen Seite an der Berliner Kunstwelt. Ich denke aber umgekehrt: Das Interesse aus Berlin an Tel Aviv könnte noch viel größer sein.

tip Dann finden Sie gewiss jemanden, der mit Ihnen das Atelier noch länger tauscht.
Norbert Bisky Genau. (lacht)

tip Vielleicht macht Ihr Austausch auch andere neugierig.
Norbert Bisky Ja, mich haben auch schon ein paar Künstler aus Berlin besucht, die gucken wie das hier so ist. Zu populär sollte es aber auch nicht werden – sonst kann man vielleicht gar nicht mehr hierherfahren. Nein, Spaß! Jeder, der mal hier war, ist fasziniert von der Stadt. Ich kenne niemanden, der nicht begeistert ist.

Interview: Stefan Hochgesand

Foto: Norbert Bisky

Norbert Bisky: „Balagan“ Bötzow Berlin, ?Prenzlauer Allee 242, Prenzlauer Berg, 27.3.–30.8.

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