Ausstellungen

Interview mit Philipp Demandt – Teil 2

Alte_Nationalgalerietip: Für das nächste Jahr steht das Programm der Wechselausstellungen schon?
Demandt: Ja. Museen planen ja lange im voraus. Im nächsten Jahr werden wir unter anderem eine Ausstellung zu Adolph Menzel und Friedrich dem Großen zeigen. Sie trifft das, was mich besonders interessiert: die symbolische Produktion berühmter Menschen mit Hilfe der Kunst. Wie spannend zu sehen, dass ein Maler, der Friedrich II. nie leibhaftig gesehen hat, unser Bild von diesem König so bestimmen und beherrschen konnte.

tip: Alfredo Jaar plant nächstes Jahr eine Intervention in der Alten Nationalgalerie. Gibt es Überlegungen, zeitgenössische Kunst in das Haus zu bringen?
Demandt: Von Fall zu Fall. Vor dem Haus steht ja eine Plastik von Jonathan Meese. Alle zwei Jahre wollen wir dort eine zeitgenössische Posi­tion präsentieren. An sich bin ich kein Verfechter der Vermischung von alter und neuer Kunst, trotzdem kann das in Einzelfällen sehr bereichernd sein, zumal die Alte Nationalgalerie Teil der sechs Häuser der Nationalgalerie ist, deren Sammlung bis ins unmittelbar Zeitgenössische reicht. Der RAF-Zyklus von Gerhard Richter in der Alten Nationalgalerie wird sicher spektakulär.

tip: Sie haben durch Ihre Tätigkeit bei der Kulturstiftung der Länder einen guten Überblick über die Museen in Deutschland. Welche Konzepte sind zukunftsweisend?
Demandt: Die Herausforderung ist das Arbeiten mit dem eigenen Bestand. Man muss sich auf die eigenen Stärken konzentrieren und überlegen: Welches kreative Potenzial kann mein Haus aus dieser Sammlung entfalten? Und es gibt immer wieder großartige Ausstellungsideen. Denken Sie nur an die Kunsthalle Karlsruhe mit ihren Tierstillleben von der Renaissance bis zur Moderne. Ein fantastisches Projekt!

tip: Die Alte Nationalgalerie ist ganz im Stil des 19. Jahrhunderts restauriert worden. Welches Gefühl bekommen die Besucher?
Demandt: Neulich hörte ich einen kleinen Jungen seine Mutter vor der Alten Nationalgalerie fragen: „Mama, wohnen da Götter drin?“ Kluge Frage. Denn das ist ein Tempel. Also würde ich sagen: Man empfindet wohl Ehrfurcht und Zuneigung zugleich.

Interview: Stefanie Dörre

Foto: Maximilian Meisse/Staatliche Museen zu Berlin

 

Zur Person
Philipp Demandt, 1971 in Konstanz geboren, kam 1975 mit seiner Familie nach Berlin. Er studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Publizistik und promovierte 2001 an der FU mit einer rezeptionsgeschichtlichen Arbeit über die Königin-Luise-Porträts von Johann Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch sowie den „Luisenkult“. 2004 wurde Demandt Dezernent bei der Kulturstiftung der Länder, zuständig für die Kunst des 17. bis 19. Jahrhunderst. Zu seinen Aufgaben gehörte die Beratung deutscher Kultureinrichtungen beim Erwerb von Kunstwerken und bei Ausstellungsvorhaben. Bei der Ausstellungsreihe „Luise. Leben und Mythos der Königin“ 2010 war er Mitkurator. Philipp Demandt folgt als Leiter der Alten Nationalgalerie Bernhard Maaz nach, der seit Januar 2010 Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden ist.

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