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„Isa Genzken. Hallelujah“ im Schinkel-Pavillion

Isa_Genzken_FOTO_Nick_Ash_c_Courtesy_Galerie_BuchholzDas Porträt eines betreten dreinschauenden Donald Duck lehnt an unregelmäßig aufeinandergetürmten Transportkisten, auf deren Vorsprüngen Zimmerpflanzen herumlungern. Still liegt eine Pfauenfeder neben dem Turm. Isa Genzkens Skulpturen loten die Grenzen der Bildhauerei immer wieder neu aus und spielen mit den Mitteln der Assemblage auf vielschichtige Bedeutungsebenen an. Da sind Anklänge an die Popkultur, an moderne, dem Bauhaus verpflichtete Architektur. Und die kubischen Transportkisten können als Referenz an den gemalten Kubismus aufgefasst werden, der hier von der Malerei in den Raum als Schwingungsfeld übertragen wird. Allen Plastiken in der aktuellen Ausstellung „Hallelujah“ im Schinkel-Pavillon ist die Anspielung auf die Popkultur gemein, hergestellt durch den gemalten Donald Duck sowie in, unter oder auf den Skulpturen platzierten Actionfiguren, die übersprayt werden, sich verstecken oder die den Betrachter zu betrachten und damit herauszufordern scheinen.

Die sehr fein ausgewogenen Kompositionen der Arbeiten werden so konterkariert. Das Unordentliche, Chaotische, das Spielerische bricht sich mit diesen Actionfiguren seinen Weg hinein in den Korpus der Skulpturen. Diese gehen, frei im lichtdurchfluteten Oktagon des Schinkelpavillons stehend, gleichzeitig einen situativen Dialog mit dem Raum ein. Zudem stellt ein mannshoher Druck des für Berlin inzwischen emblematisch gewordenen Fernsehturms – der locker an eines der Fenster gestellt ist, in Form einer Doppelung, denn der echte Fernsehturm beherrscht den Blick durch das Fenster daneben – einen direkten Bezug zur Stadt her.

Im Vorraum werden einige Wandarbeiten der Künstlerin gezeigt, die einem ähnlichen Gestus folgen wie die Skulpturen. Verfremdete popkulturelle Motive mischen sich mit autobiografischem Material. Die Kompositionen sind auch hier bewusst gebrochen und spielen mit der Wahrnehmung des Betrachters, der sich in applizierten Spiegelsteinchen selbst sieht oder wie vor einem Suchbild das ornamentale Muster einer aus Fotokopien bestehenden Collage zu enträtseln sucht.

Text: Philipp Koch

Foto: Nick Ash / Galerie Buchholz

tip-Bewertung: Sehenswert

Isa Genzken. Hallelujah Schinkel-Pavillon, Oberwallstraße 1, Mitte, Do–So 12–18 Uhr, bis 11.3.

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