Fotografie

Isabell Graeff in der Sexauer Gallery

Seit 2015 fotografiert Isabell Graeff, die mit der groß angelegten Serie „My Mother and I“ bekannt wurde, in Großbritannien

Isabelle Graeff / Courtesy SEXAUER Gallery

Vor allem im englischen Kernland fand sie eine fast schon fatalistische Stimmung vor, die den Brexit vorwegnimmt. Es gelingt ihr in großen, ruhigen, wenig farbintensiven Bildern, die Schönheit und die Widersprüchlichkeiten dieses Landes zwischen traditionellem Stolz auf die Vergangenheit und der Tristesse und den Zumutungen der Gegenwart zu antizipieren. Fassaden und Werbetafeln mögen bröckeln, Menschen nur noch Halt beim Vögelfüttern oder in historischen Rollenspielen finden, grelle Kirmesbuden rabiate Fluchten aus dem Alltag versprechen, Tattoos Englands Glorie beschwören – aber die englische Landschaft in ihrer Erhabenheit schwebt dabei immer über den Dingen und lässt diese Verwerfungen nur erahnen. In Details werden die Brüche des Landes sichtbar, und Isabell Graeff, die selbst nach dem Tod ihres Vaters nach England ging, um sich wieder zu sammeln und zu finden, findet diese Details in einem Gardinenschwung, einer schlechtgefärbten Frisur, einem aufgegebenen Queen-Puzzle. Sie findet somit auch eine Sicht auf, vielleicht sogar eine Haltung zum Brexit. Und sie findet eine Agonie, der sich der Betrachter nur schwer entziehen kann.

Sexauer Gallery, Streustr. 90, Weißensee, bis Sa 9.6., Mi–Sa 13–18 Uhr

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