Ausstellungen

Islam in Kreuzberg

Ali Kaaf

Eine Versuchsanordnung wie in einem naturwissenschaftlichen Experiment – das schwebt Ali Kaaf vor bei seiner Intervention im Studio des Universitätsmuseums Bumiller Collection. "Für mich war es ganz entscheidend", sagt  der seit 15 Jahren in Kreuzberg lebende Künstler, "Objekte aus der Sammlung in die Ausstellung zu integrieren, die sich assoziativ, durch Form oder Farbe, mit meinen Arbeiten verbinden." Aber eben im Experiment statt bloß im Dialog.
Hier einer der skulpturalen Helme von Kaaf, schwarz, wie geschmolzen, aus dem gläserne Pusteln hervortreten. Dort eine Keramikflasche aus Afghanistan, entstanden zwischen dem 4. und 5. Jahrhundert, grünlich schwarz und ebenso mit Pusteln übersäht. Nebeneinander entwickeln sie eine seltsame Familiarität, auch wenn mehr als 1.500 Jahre zwischen ihnen liegen. Die Rifts, schwarz-weiße Zeichnungen mit weggebrannten Elementen, großformatigen Malereien und anderen Skulpturen haben kein so direktes Gegenstück, harmonieren aber in ihrer strengen Ästhetik mit den früh­islamischen Objekten, zeigen mal Ähnlichkeiten, mal Dissonanz in ihrer Formsprache, die bei Kaaf der zeitgenössischen Kunst verhaftet ist und dennoch leise Einflüsse islamischer Bildtraditionen erkennen lassen.
"Die Zusammenarbeit mit Ali Kaaf ist die erste Intervention zeitgenössischer Kunst in den Räumen", sagt Jill Bumiller, die das Studio leitet. Im Museumsbetrieb werden 60 der 7.000 Sammlungsobjekte ausgestellt, die im eigentlichen Museum in Bamberg zugänglich sind. Berlin als zweiter Standort, so Jill Bumiller, sei wegen der hier angesiedelten Sammlungen und Vernetzungsmöglichkeiten mit den Universitäten und dem kosmopolitischen Umfeld wichtig. Die islamische Kunst solle sich einbetten in einen multikulturellen und auch durch den Islam geprägten Ort. Nach diesem Auftakt werden die Interventionen zweimal jährlich stattfinden, jeweils zum Gallery Weekend und im Herbst zur Berlin Art Week.
Auch wenn diese Ausstellung dezidiert nicht politisch sein will, kann sie den Zeitläufen nicht entkommen: Im Moment wirkt erst einmal alles tagespolitisch, was auch nur entfernt mit Syrien zu tun hat. Dankbarerweise verliert man diesen Standpunkt beim Betrachten der Ausstellung aber dann doch wieder schnell. Eher schon vermittelt die Schau Anstoß zu einer Auseinandersetzung mit einem Aspekt islamischer Kultur, nämlich ihrer Kunst und Formsprache – sowohl alter wie auch zeitgenössischer, die ansonsten so oft zu Unrecht ein Schattendasein führt. 
Auch für Ali Kaaf hat sich in letzter Zeit viel verändert. "Ich bin ja schon lange in Deutschland, und die Entfernung zu meiner Heimat war immer ein wichtiger Teil meiner Suche nach einer eigenen visuellen Formsprache", erklärt er. "Jetzt, mit den vielen Syrern in der Stadt, kommt mir mein Land auf ganz neue Art wieder nahe. Für mich ist das aufregend und neu, und ich versuche bei aller Tragik, die damit zusammenhängt, an dieser Situation zu wachsen."  

Text: Philipp Koch

Foto: Ulf Saupe/ Done Studio
   
Studio Xberg
Naunynstr. 68, Kreuzberg, Di–Sa 14–18 Uhr, bis 4.6.

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