Ausstellungen

Jimmie Durham im n.b.k.

Jimmie Durham im n.b.k.

Durchschaubare Theorien langweilen den Künstler. Vor Jahren hielt Jimmie Durham in Wien einen Vortrag mit dem Vorsatz, keine erkennbare Linie zu verfolgen. Als sich einige der Zuhörer beschwerten, sie hätten den Sinn seiner Darstellung nicht verstanden, wusste er, dass er erfolgreich war.
Die Verwirrung sei eine angemessene Reaktion auf den alltäglichen Irrsinn, findet der 1940 in den USA geborene Tsche­ro­ke­se. Wenn er eine Ansammlung von kuriosen Fundstücken und Andenken wie eine verschrumpelte Haihaut, einen verrosteten Schlüsselbund oder den verbogenen Bügel der väterlichen Brille in einer Vitrine präsentiert, so erzählt jedes dieser Dinge eine Geschichte, die wir bestenfalls erahnen können. Unsere Sehnsucht nach Verstehen ist ewig, soll Einstein gesagt haben, und so fühlt sich jeder gefordert, einen Sinn zu suchen und bestenfalls über sein Tun und Sein, den eingenommenen Standpunkt gründlich nachzudenken.
Jimmie Durham war in den 1970er-Jahren offizieller Beauftragter für die Rechte der Indianer bei der UNO, absolvierte ein Kunststudium in Genf und wurde in den 1980er-Jahren zum „Eurasien-Durchwanderer“, der zweimal an der documenta in Kassel teilnahm und 1998 mit einem DAAD-Stipendium nach Berlin kam, wo er auch heute lebt. Bekannt sind vor allem seine ironischen Spiele mit Indianerklischees und der Einsatz zahlreicher Findlinge, mit denen er Errungenschaften der Zivilisation wie Kühlschrank, Auto oder Waschmaschine zertrümmerte.
Seine als Obst bemalten Steine, die als Wurfgeschosse auf Echtobst dienten, werden in der Ausstellung „Here at the Center“ als Stillleben präsentiert. Die Ironie dient Durham, Kritiker der Konsumgesellschaft und des eurozentrischen Blicks, als effektvollste Form der Störung.   

Tetx: Constanze Suhr

Foto:  Neuer Berliner Kunstverein/ Jens Ziehe

n.b.k. Chausseestraße 128-129, Mitte, Di–So 12–18 Uhr, Do 12–20 Uhr, bis 2.8.“

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