Ausstellungen

John-Cage-Jahr in der Akademie der Künste

Cage_Cunningham_RauschenbergJohn Cages Auftritt in der TV-Show „I’ve Got a Secret“, einem Vorläufer von Lembkes „Was bin ich?“, ist toll. 1960 ist ein Moderator noch stocksteif. Auch Cage hat einen Anzug an und trägt, gut gelaunt, in dieser hausbackenen Kulisse eine Revolution vor: „Water Walk“, Musik mit Wasserkochern, Badewanne und herunterfallenden Radios.

Das Video-Dokument ist erstaunlicherweise Teil der Ausstellung „Kon­trolle und Zufall – Iannis Xenakis“. Überhaupt ist das Programm der Akademie gerade etwas unübersichtlich. Doch man könnte sagen: Das muss man bewältigen können angesichts der intellektuellen Herausforderung, die das Werk eines der bedeutendsten Avantgarde-Künstlers des 20. Jahrhunderts darstellt. Vor Cages 100. Geburtstag am 5. September 2012 hat sich die Akademie zu einem Countdown auf das Datum hin entschlossen: „A year from Monday. 365 Tage Cage.“

Dazu gehören drei Ausstellungen. Eine davon ist bereits zu Ende gegangen. Kein „Leider“, Tacita Deans elegische Film-Installation „Merce Cunningham performs Stillness“ mit Cages wichtigstem Weggefährten über 50 Jahre war wenig erhellend. Die Schau über den Komponisten Iannis Xenakis stellt dagegen eine zu Cage konträre, kontrollierte Herangehensweise an die Musik vor. Seine musikalischen Kalkulationen setzte Xenakis in erstaunliche Zeichnungen um, die wie Architekturstudien wirken. Dazu gibt es über Kopfhörer grandiose Hörproben. In „Ein Raum für John Cage“ zeigen Akademie-Mitglieder Positionen zu Cage, aber auch hier ist wieder eine Filmdoku das interessanteste Stück. Wer sich 56 Minuten Zeit für Klaus Wildenhahns NDR-Reportage „John Cage“ von 1966 nimmt, wird unter anderem auf faszinierende Finanzierungsmethoden stoßen: Der Verkauf eines Gemäldes von Mirу, ein Geschenk des Künstlers, ermöglicht einen Auftritt der Merce Cunningham Dance Company in Europa.

Text: Stefanie Dörre

Foto: Richard Avedon

tip-Bewertung: Sehenswert

Ein Raum für John Cage & Kontrolle und Zufall: Iannis Xenakis Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Tiergarten, Di–So 11–20 Uhr, bis 27.11.2011

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