Zeichnung und Malerei

Jonas Lipps bei Tanya Leighton

Riot im Reihenhaus: Jonas Lipps zeigt die Ausweglosigkeit männlicher Adoleszenz

Foto: Eric Tschernow / Jonas Lipps

Angesagt geht anders: Wer in Jonas Lipps erster Einzelausstellung bei Tanya Leighton nach den drängenden Themen des Weltgeschehens sucht, findet dort keine Manifeste gegen die Globalisierung. Auch Tipps gegen den Klimawandel hat der 1979 in Freiburg geborene und an der UdK ausgebildete Berliner Künstler nicht im Angebot. Und überhaupt: Gäbe es heutzutage nicht spannendere Themen als die Risiken und Nebenwirkungen männlicher Adoleszenz? Nun ja: Einerseits entwirft der Künstler in den ungefähr fünfzig Arbeiten auf und mit Papier eine eigenwillige und bisweilen verschrobene Welt, die, um es mit den Worten von Tocotronic zu sagen, maximal auf einen „Teenage Riot im Reihenhaus“ hinausläuft. Man erkennt die stumpfen Siedlungsstrukturen der Vorstädte und spürt die dunkle Macht schulischer Institutionen. Selbst beim Betrachten absurder Bastelarbeiten erahnt man, welche Konformitätszwänge eine Sozialisation in mittleren Schichten mit sich bringt – und bekommt die als Auswege verkleideten Sackgassen Drogenkonsum und Wahn gleich mitgeliefert. So weit, so bekannt. Interessanter als das „Was“ ist hier indes das „Wie“: Denn andererseits lässt der Künstler das Material für sich selbst sprechen. Viele seiner Arbeiten sind auf Blättern oder Pappen entstanden, die den Eindruck machen, achtlos von ihren Vorbesitzern weggeworfen und erst in letzter Sekunde vor dem Altpapier gerettet worden zu sein. Sie entfalten eine Poesie des Prekären und wirken mit ihren Beschädigungen wie stumme Zeugen der Anklage gegen eine Zeit, in der nur mehr die Geste der Überbietung zu zählen scheint.

Tanya Leighton Kurfürstenstr. 25, Schöneberg, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 14.4.

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