Ausstellungen

Josef Hofer in der Galerie ART CRU Berlin

Josef_Hofer_o.T.2007_c_Galerie_ART_CRU_BerlinJosef Hofers Arbeiten sind anders. Die vom zeitgenössischen Kunstdiskurs wie losgelöste Expressivität, die in ihnen zum Ausdruck kommt, erscheint auf den ersten Blick anachronistisch. Dabei steht im Zentrum aller Arbeiten etwas ganz Alltägliches: der menschliche Körper. Allerdings wird dieser nicht als naturalistische Nachahmung wiedergegeben, sondern erscheint als innere Auseinandersetzung mit dem Selbst als Projektionsfläche und Gegenüber, wie es im Spiegel erscheint. Die Wiederholungen und das Kreisen um die immer gleiche Thematik verraten dabei das Pathologische, das in Hofers ­Arbeiten steckt. Die nackten Figuren, die ebenso explizit wie unschuldig, man könnte beinahe sagen: hilflos, das Geschlechtliche umkreisen, haben eine eigentümliche Zerbrechlichkeit an sich, erscheinen gefährdet und gleichzeitig gefangen in ihrer bildlichen Isolation, die durch vielschichtige farbige Bänder oder Gewebe gegen den Rand, das Draußen, abgeschottet werden. Meist ist nur eine Figur, ein Körper im Zentrum des Bildes, selten einmal zwei, diese dann aber ebenso voneinander getrennt, wie zum Draußen hin abgeschottet. Schwer zu beurteilen, ob diese Geflechte nun ein Schutz sind oder den nackten Körper einschließen, vielleicht ist beides der Fall – die Isolation als Schutz, der sich gleichzeitig als Kerker darstellt, aus dem das Selbst nicht hinauskann. Damit stünden Hofers Bilder dann allerdings mittendrin in einer ganzen Reihe von Diskursen zum Eigenen und Fremden, zur Vereinsamung in der Masse oder in der virtuellen Welt, in der man nie ­allein und immer allein ist, getrennt und geschützt vom physischen Gegenüber durch eben diese Virtualität. Fragen kann man das Josef Hofer leider nicht. Vielleicht fände er das auch alles übertrieben analysierend. Der mehrfach behinderte Art-Brut- (oder: Outsider Art) Maler kann kaum sprechen, ist taub und kann weder lesen noch schreiben, da er nie eine Schule besucht hat.

Text: Philipp Koch

Foto: Galerie ART CRU Berlin

tip-Bewertung: Sehenswert

Josef Hofer Galerie ART CRU Berlin, Kunsthof, Oranienburger Straße 27, Mitte, Di–Sa 12–18 Uhr, bis 8.7.

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