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Juergen Teller bei CFA

Juergen Teller bei CFA
Er war seiner Laster leid: Juergen Teller, Alpha-Tier der Modefotografie und Meister der abgründigen Prominenten-Porträts, checkte vor kurzem in Österreichs bekanntester Entgiftungsklinik ein, „weil ich des Rauchens und des Trinkens müde geworden war“, wie er sagt. Stattdessen gab es dort Darmspülungen, Yoga, Nordic Walking, Wasserballett.
Und von allem, also fast allem, gibt es jetzt auch Fotos, erstmals zusammengefasst in der Ausstellung „The Clinic“. Dazu kommen in der Galerie CFA alte Aufnahmen der Familie Teller auf Urlaub, passenderweise ebenfalls in Österreich. Diese Mischung ist inhaltlich stimmig aber optisch durchaus holprig – und genauso soll es wohl auch sein: Im cleanen White Cube knallen die ungeschönten Aufnahmen Tellers aus den Klinikfluren und die Old-School-Familienbilder seines Vaters den Besuchern regelrecht entgegen. Der Eindruck wird noch verstärkt durch Stecknadel-Befestigungen und Papierdruck-Formate. Dazu kommt eine wilde Hängung. Die hätte es vielleicht nicht gebraucht; die Arbeiten sind auch so stark: Den seit Jahren stilbildenden Blick Tellers hat der Klinikaufenthalt nochmal geschärft. Allein das Selbstbildnis im Bademantel mit Nordic Walking-Stöcken, grinsend mit Sonnenbrille und Pudelmütze, zeigt ihn in vollem Bewusstsein seiner unpassenden großstädtischen Hipster-Aufmachung in einer für ältere Leute zurechtgemachten Natur. Und es bereitet durchaus Freude, ihm bei diesen Charaden auf Feld und Flur zuzuschauen.   

Text: Iris Braun

Foto: Jürgen Teller / courtesy CFA Berlin

Contemporary Fine Arts Am Kupfergraben 10, Mitte, ?Di–Fr 10–18 Uhr, Sa 11–18 Uhr, bis 26.9.

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