Ausstellungen

Julian Rosefeldt in der Galerie Arndt

Julian Rosefeldt in der Galerie Arndt

Vor Kurzem zog der Galerist Michael Arndt nach Singapur und eröffnete dort eine Galerie. Seinen Berliner Hauptstandort hält er aufrecht. Zum Glück, denn ein Ausstellungsbesuch hier lohnt immer. Bei der Betrachtung der ebenso spannenden wie lehrreichen Mini-Retrospektive des Video-Künstlers Julian Rosefeldt fragt man sich, warum eine gesellschaftspolitisch so relevante Schau nicht im Hamburger Bahnhof geboten wird? Vielleicht entscheidet sich die Nationalgalerie ja wenigstens für einen Ankauf – etwa der wichtigen Filminstallation „Meine Heimat ist ein düsteres, wolkenverhangenes Land„.
In der Ferne agiert das Taipei Fine Arts Museum aufmerksamer, und auch die Tate Modern wird demnächst die erste Fotoserie des aus Bayern stammenden Wahlberliners, „Hidden City“ aus dem Jahr 1994, präsentieren. Sie gewährt Einblick in das, was sich in den Bauten des ehemaligen NSDAP-Parteizentrums am Münchner Königsplatz befindet. Im Frühstücksraum des früheren „Führerbaus“ agiert zum Beispiel eine Harfenistin, denn dort ist heute die Hochschule für Musik und Theater untergebracht. Thematisch dreht sich bei diesem Einsichten vermittelnden Künstler alles um Heimat vor dem Hintergrund deutscher Geschichte. Großformatige Filmstills erinnern an Caspar David Friedrich und die Romantik, mit dem Unterschied, dass im Nebel Schäferhunde auftauchen: oh weh! Lautstark umkreist die zentrale Filminstallation die Frage nach nationaler Identität. Treffend das Bild des Mannes, der im Wald fegt. Typisch deutsch, möchte man meinen. Der Zwiespalt, der sich im Säubern der freien Natur ausdrückt, weckt gruselige Erinnerungen. Es wird geräuschvoll gerodet und die gebirgige Gegend vernebelt. Fotos von Häuser-Sprengungen aus „Detonation Deutschland“ beenden den Rundgang. Ruckizucki sackt zusammen, was einst mächtig, schön oder ein Zuhause war. Ein Stück kultureller Identität geht so verloren, vergänglich wie die Systeme und Ideologien mit ihren Machtstrukturen und Statussymbolen.       

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Julian Rosefeldt/ Galerie Arndt

Galerie Arndt Di–Fr 11–18 Uhr, ?Sa 12–18 Uhr, bis 20.8.

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