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June Newton über die „Permanent Loan Selection“ im Helmut Newton Museum

Permanent Loan Selection im Helmut Newton Museum Berlin

Kurz vor seinem Tod 2004 hat Helmut Newton seiner Stiftung 500 Fotografien vermacht. Viele davon waren bisher in Berlin noch nie öffentlich zu sehen. Die Witwe des Fotografen, June Newton (91), die sich unter dem Pseudonym Alice Springs auch selbst einen Namen als Fotografin machte, gab uns eines ihrer seltenen Interviews.

tip Diesmal sehen wir neben Mode- und Aktfotografie auch besonders viele Porträts. Würde es Helmut Newton freuen, in der Hochkultur angekommen zu sein?
June Newton?Ich glaube, man sollte nicht ihn fragen. Da bekäme man keine Antwort. Hochkultur? Ich glaube, Helmut machte bloß Fotografie. Gute Fotografie. Er wollte nie als Künstler bezeichnet werden. Niemals. Stets sagte er: „Ich bin Fotograf.“
Neben den bekannten „Big Nudes“ sehen wir diesmal auch neuere aus Nizza und Monte Carlo. Was mögen Sie an den „Big Nudes“ besonders?
Helmut war der Erste, der so etwas machte, diese Art „Big Nudes.“ Die Feministen mochten sie vielleicht nicht. Aber die mochten ja auch sonst nichts. Oder? Zumindest sprachen sie nie darüber. Vor den „Big Nudes“ war Helmut in erster Linie Modefotograf, kein Porträt-Fotograf. Er hatte sich Bilder der Baader-Meinhof-Gang angeschaut und sich gefragt: Wie würden sie wohl ohne Kleidung aussehen?

tip Hätte er auch Andreas Baader und Ulrike Meinhof persönlich fotografiert?
June Newton Wenn ihn jemand damit beauftragt hätte: bestimmt.

tip Welche Rolle spielten Sie eigentlich bei der Konzeption der Ausstellung?
June Newton Das Fabelhafte ist, dass ich kaum Arbeit damit hatte. Dr. Harder sagte: Lassen Sie uns was aus dem „Permanent Loan“ zeigen. Ich stutzte: Was soll das sein? Diese Ausstellung ist so großartig, weil sie alles kombiniert. Wir sehen teils Bilder, die wir kannten – aber nicht in diesem Kontext.

tip Haben Sie die Kontaktbögen selbst ausgesucht, die in Ihrem Raum, „June’s Room“, zu sehen sind?
June Newton Nein, Dr. Harder ist schuld. (lacht)

tip Ihre eigenen Porträts transportieren oft eine andere Stimmung als Helmuts – selbst wenn sie dieselbe Person porträtieren. Reflektieren die Porträts, so gesehen, auch das Innenleben der Fotografen?
June Newton Die Frage kann ich nicht beantworten. Er tat es eben auf seine Art und ich auf meine.

tip Anders als die meisten anderen Newton-Ausstellungen basiert diese nicht auf einem Bildband. Wird es noch einen geben?
June Newton Das ist eine wunderbare Idee! Da haben wir gar nicht dran gedacht. Würden Sie sich gern ein solches Buch anschauen?
tip Absolut.
June Newton Großartig, dann machen wir das. Ist Mister Taschen in der Nähe? (lacht)

tip Sie folgten Helmut Newton an viele Orte – London, Paris, wo auch immer er hinging. Wie wählen Sie seit seinem Tode Ihre Reiseziele?
June Newton Es sind dieselben Orte, wenn auch weniger. Ich brauche inzwischen einen konkreten Grund zum Reisen. Ich habe keinen Grund mehr, nach London oder Paris zu reisen. Aber ich besuche nach wie vor Berlin und Los Angeles.

tip Wie hat es Ihren Charakter geformt, Shakespeare zu lesen und in seinen Stücken zu spielen?
June Newton Ich kann Shakespeare nicht losschütteln (engl. „shake off“, Anm. d. Red.) und will es auch gar nicht.

tip Wen würden Sie gerne fotografieren und hatten bisher nicht die Gelegenheit dazu?
June Newton Ich würde liebend gern ein Selbstporträt auf meinem Sterbebett schießen.

Interview: Stefan Hochgesand

Bild: Alice Springs

Permanent Loan Section, Helmut-Newton-Stiftung, Jebensstraße 2, Charlottenburg, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa+So 11-18 Uhr, 24. und 31.12. geschlossen, 25.+26.12. 11-18 Uhr, 1.1.2015 12-18 Uhr, bis 17.5.2015

 

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