Ausstellungen

Kapoor in Berlin im Martin-Gropius-Bau

kapoor_06_c_DaveMorgan_NicTenwiggenhorn_CourteryAnishKapoor_VGBildkunstBonn2013Leise Töne sind nicht sein Ding. Dafür setzt Anish Kapoor mit großer Geste auf Überwältigung. Seine Werke offenbaren einen Theatraliker, der prozesshaft arbeitet, nah am Menschen und am Weltenlauf. Gewaltig hängt das rote Sonnenrund im Lichthof, während lange Förderbänder aus der Tiefe des Untergrunds sich wie Startrampen unheilvoll in den Raum bohren. Dunkelrote Wachsballen plumpsen von ihnen herab auf den Boden. Dort bilden sie so etwas wie Fleisch-Pyramiden. Wenn die Sonne siegt, könnte der Mensch ausgelöscht sein. Der 59-jährige Bildhauer spielt mit „Symphony for a Beloved Sun“ auf die russischen Konstruktivisten El Lissitzky und Kasimir Malewitsch an. Während Letzterer 1913 die Oper „Sieg über die Sonne“ initiierte, erfand Lissitzky eine neue „Proun“-Welt, die er als „Umsteigestation von Malerei zu Architektur“ bezeichnete. Kapoor seinerseits verwischt die Grenzen zwischen Malerei und Bildhauerei und mehr als das.

„Shooting into the Corner“ ist Theater ohne Worte, gemahnt an Gewalt und Terror. Der Raum wird zum Schlachtfeld blutroter Farbe, die aus einer Kanone donnert und alles besudelt. Metaphorisch geht es auch sonst zu. Kein chronologischer Rundgang erwartet die Besucher, eher eine spirituelle Reise. Immer wieder müssen sie umkehren, stehen vor verschlossenen Türen und nähern sich der Sonne. Zwischendurch dürfen sie ihr Spiegelbild betrachten. Für sich genommen mögen die 70 Werke abstrakt anmuten, im Kontext der Ausstellungsinszenierung sind sie es nicht. Viele Titel offenbaren Botschaften, „Apocalypse and the Millennium“ etwa. Wieder so ein Opus, das den Besucher an eine Endstation bringt.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Dave Morgan, Nic Tenwiggenhorn / Courtery Anish Kapoor / VG Bildkunst Bonn 2013

tip-Bewertung: Herausragend

Kapoor in Berlin Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg, Mi–Mo 10–19 Uhr, bis 24.11.

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