Ausstellungen

Karin Sander in der n.b.k.

sanderKarin Sander hat in fünf Büroräumen des n.b.k. Kernbohrungen vorgenommen, zwischen dem Ausstellungsraum im Erdgeschoss und der normalerweise unsichtbaren Geschäftsebene in der ersten Etage, und zwar an den Stellen, wo sonst die Papierkörbe sind. Der Besucher steht jetzt auf der Ebene der Müllentsorgung und erlebt, wie etwas aus der Arbeitsmaschine, beispielsweise aus dem Büro des Direktors, von oben vor seine Füße plumpst.

Sander thematisiert mit ihrer puristischen Intervention das Verhältnis zwischen Kultur und Administration und bezieht die Mitarbeiter des Kunstvereins in ihre Arbeit mit ein. Aus einer alltäglichen Geste entstehen temporäre Skulpturen: Aus zerknüllten Künstlerbiografien und Einladungen, aus Locher-Konfetti und Teebeuteln. Die Künstlerin karikiert scheinbar eine Kultur, die aus konsumwirtschaftlichen Gründen ständig erweitert werden muss. Die Kunst konsumiert, aber nicht zwangsläufig versteht.

Sander kommentiert in ihren Werken häufig die Ausstellungspraxis und deren Machtverhältnisse, etwa mit der Serie „Wandstücke“. Sie polierte anstelle eines Bildes einfach die Wand des Ausstellungsraums auf wertvoll glänzende Spiegelfläche. Häufig integriert sie den Besucher in diese Prozesse. In der aktuellen Schau darf er auf die Ebene der Leitung wechseln und durch die gähnenden Löcher schauen. Und wie herrlich ist Müll? Ein fröhliches Chaos aus Verwerfung und dem Eingeständnis der Unvollkommenheit der Welt.

Text: Laila Niklaus

Foto: Jens Ziehe

tip-Bewertung: Sehenswert

Karin Sander n.b.k., bis 1.5.2011

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