Ausstellungen

Karin Sander und Ceal Floyer bei Esther Schipper

 Karin Sander

Für Freunde minimalistischer Tendenzen ist die Galerie von Esther Schipper eine gute ?Adresse. Weiß flattert die Einladungskarte ins Haus – ohne Abbildung, nur mit zarter Adress­angabe und dem Titel der Ausstellung. Der lautet einfach „Paper Work“. Viel mehr muss zu den abstrakten, so schlicht wie unauffällig erscheinenden Arbeiten auch nicht gesagt werden. Von Karin Sander, deren reduzierte Präzisionsarbeiten amerikanische wie japanische und deutsche Sammlungen schmücken, ist eine Reihe weißer Blätter zu betrachten. Die 1957 geborene Künstlerin, die früher Professorin an der Kunsthochschule Weißensee war und mittlerweile in Zürich lehrt, hat sie lapidar mit verschiedenfarbigen Büroklammern in Pfeilform versehen. Mal zwacken die Dinger einzeln am Rande des leeren Papiers, mal in Reih und Glied, oder sie heben gar an, über die weiße Fläche zu marschieren. Die Harmonie stört das nicht. Sie ist hier oberstes Gebot und nicht nur hier. Den Raum neben Sanders 30 „Office Works“ von 1996 bespielt eine Gleichgesinnte: Ceal Floyer. Die 46-Jährige erhielt 2007 den Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst. Sie folgt ebenfalls dem Gesetz der Serie und geht nicht minder formal stringent zu Werke. In der Mitte des weißen Papiers platzierte sie einen runden Farbfleck. Auch diese Filzstift-Zeichnungen auf Aquarellpapier wirken vor allem durch die Menge der nebeneinander hängenden Varianten. Während bei Sander noch feiner Humor spürbar ist, setzt Floyer ganz und gar auf die Ästhetik der unterschiedlichen Farbschattierungen. Beide frönen der Reduktion und so bleibt der Betrachter hungrig nach weiteren Eindrücken. Man schreitet die akkurate, aber auch aseptisch wirkende Phalanx langweiliger Kreisformen ab und fragt sich: Wozu das Ganze? Bringt das die Kunst voran, technisch, inhaltlich? Nö, sieht aber gut aus und stört auch nicht weiter.    

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: The Artist and Esther Schipper, Andrea Rossetti

tip-Bewertung: Annehmbar

Galerie Esther Schipper Schöneberger Ufer 65, Schöneberg, Di–Sa 11–18 Uhr, bis Sa 23.8.

Mehr über Cookies erfahren