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Käthe Kollwitz neu gedacht

Käthe Kollwitz neu gedacht

Iris Berndt hat in kurzer Zeit in der alten Stadtvilla in der Charlottenburger Fasanenstraße nicht nur eine neue Dauerausstellung kuratiert, sondern auch die Werks­präsentation deutlich aufgefrischt. Auf drei Etagen zeigt das Haus eine neue Auswahl aus dem 300 Stücke starken Museumsdepot. Auch die Ausstellungskonzeption hat die ehemalige Referentin beim Museumsverband Berlin-Brandenburg modifiziert: Eine rote Linie führt nun das Treppenhaus hinauf, die chronologisch den Lebensweg der Künstlerin stichpunkt­artig markiert.
Das neue Konzept unterstützt die neue Museums­leiterin bei ihrem Anliegen, die Künstlerin in ihrer Gesamtheit zu präsentieren: „Ich bin im letzten Jahr immer wieder mit der Unterstellung konfrontiert worden, ein instrumentalisiertes Kollwitz-Bild im Kopf zu haben, da ich in der DDR aufgewachsen bin. Ich denke aber, dass das Gegenteil der Fall ist.“
So will sie eben nicht nur die politische Kämpferin Kollwitz aus der Ost-Rezeption zeigen oder nur das humane, mütterliche Bild der Künstlerin, das im Westen gepflegt wird, darstellen, sondern Kollwitz’ gesamtes Leben mit wenigen Kommentaren präsentieren – und den Besucher selbst erkennen lassen, wie sich der Kollwitz’sche Blick von gezeichneten Milieustudien hin zu sozialkritischen Arbeiten und plastischen Skulpturen veränderte.
Das überwiegend touristische Museums­publikum holt Berndt im Erdgeschoss mit einer fotografischen Einführung in das Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts ab – und bedauert dabei, dass immer noch zu wenige Berliner überhaupt das Haus besuchen.
Ein bisschen leer wirken die darüber­liegenden Räume noch, doch das lässt Platz für neue Akzente. Im Juni etwa wird die Dauer­­­ausstellung unter dem Titel „Im Dialog mit Käthe Kollwitz“ mit sieben lebensgroßen Skulpturen der holländischen Bildhauerin Lotta Blokker ergänzt. So soll das Werk der Kollwitz einen zeitgenössischen Bezug erhalten, denn ihre Themen – Armut, Elend, Krieg und Verlust – sind auch heute noch hoch­aktuell: „Das bin ich Käthe Kollwitz schuldig, weil sie diese Akzente in ihren Werken auch gesetzt hat. Das auszublenden hieße, nur die Fassade zu zeigen.“
Iris Berndt

Wie sie der Künstlerin Tribut zollen kann, dafür hat Berndt viele Ideen: ein neuer Museums­shop, eine Broschüre zu den Berliner Orten, an denen Kollwitz wirkte, Direktionsführungen oder Work­shops für Schüler – Berndt ist mit Enthusiasmus dabei, hat aber auch die Geduld, den angestoßenen Projekten Zeit zu geben. Die braucht sie auch, denn die Finanzierung ist nicht gerade üppig für so ein Haus: Der Museums­etat wird durch eine Senatsförderung von 100?000 Euro bezuschusst, etwa genauso viel bringen die Eintrittsgelder ein. Aber Berndt klagt nicht, sie hat sich bewusst für ein kleineres Museum entschieden, wo sie etwas bewirken kann. „Von daher bin ich hier genau richtig“, sagt sie und schaut der weiteren Entwicklung des Käthe-Kollwitz-Museums mit Zuversicht und Gelassenheit entgegen.

Text: Lea-Maria Brinkschulte

Fotos:
Fotostudio Bartsch; F. Anthea Schaap

Käthe-Kollwitz-Museum Fasanenstraße 24, Charlottenburg, tgl. 11–18 Uhr

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