Ausstellungen

Katja Strunz in der Berlinischen Galerie

Katja_Strunz_Drehmoment_Installation_ShotEine riesenhafte, schwarze Kugel liegt unförmig wie ein von großer Hand zufällig zusammengeknülltes Blatt Papier in dem gleißend weißen Raum. Dahinter türmt sich – scheinbar schlaff und ohne Spannung wie ein ausgeleiertes Ziehharmonikaband – ein treppenartig gefaltetes Gebilde auf, das fast bis zur Decke reicht, aber bei genauerem Hinsehen als Schlaufe aus acht Meter Höhe von einem Stahlseil herabhängt. Massiv in der Flächenwirkung und trotzdem minimalistisch-leicht mutet die statische Raumkomposition aus schwarzem Blechmetall an, die Katja Strunz eigens für die Berlinische Galerie gestaltet hat. Die Preisträgerin des Vattenfall Contemporary 2013 betitelt ihre Ausstellung mit den Worten „Drehmoment (Viel Zeit, wenig Raum)“. Ihre Arbeiten veranschaulichen die Beschleunigung der Zeit und die Verkleinerung von Räumen durch fortschreitende Technisierung. Hierbei meint Räumlichkeit auch Distanzen, die per Flugzeug schnell zu überbrücken sind, wodurch ein Zeitgewinn erfolgt, aber die Erfahrung des Raums als Ganzes verloren geht. So schrumpft auch die Blechfläche implosionsartig auf eine Kugel zusammen.

Die Raum-Zeit-Achse der beiden Großobjekte ergänzt die Künstlerin durch eine Verbindung von Gegenwarts- und Vergangenheitsebene: An der Längswand des Raumes hängen in unscheinbaren Rahmen vier angegilbte Papierseiten. „Yesterday’s papers“ steht in Variationen da­rauf. Die Buchstaben hat Strunz im traditionellen Bleisatz-Druckverfahren auf die historischen Seiten gebracht und lässt so zwei Zeiten miteinander verschmelzen. Mit ihren Installationen, die für eine veränderte Raumerfahrung stehen, füllt Katja Strunz die ihr als Carte blanche zur Verfügung gestellte Fläche voll aus. Ließ sich die Auseinandersetzung mit dem Konstruktivismus in der Vergangenheit offensichtlich aus der Formsprache ihrer Werke lesen, ist diese jetzt nur noch durch den Entstehungsprozess der Arbeiten und deren Farbgebung zu erahnen. Mit Letzterer, so scheint es, zitiert die Berliner Künstlerin Kasimir Malewitschs „Schwarzes Quadrat auf weißem Hintergrund“.

Text: Lea-Maria Brinkschulte

Foto: Matthias Kolb / Katja Strunz

tip-Bewertung: Sehenswert

Katja Strunz Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, Kreuzberg, Mi–Mo 10–18 Uhr, bis 2.9.

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