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"Keine Kompromisse! Die Kunst des Boris Lurie" im Jüdischen Museum

"Keine Kompromisse! Die Kunst des Boris Lurie" im Jüdischen Museum

Boris Lurie (1924-2008) war ein Mann der Widersprüche, ein Jude, der Stalin verehrte und deutsche Schäferhunde hielt, der manisch malte, zeichnete, collagierte und schrieb, aber bewusst nie von seiner Kunst lebte, weil er den Kunstmarkt ablehnte und die von ihm gegründete Kunstströmung NO!art als Gegenposition zur Pop Art ansah. Mit "Keine Kompromisse! Die Kunst des Boris Lurie" präsentiert das Jüdische Museum die bis dato größte Retrospektive seiner Arbeit mit mehreren hundert, teilweise nie zuvor gezeigten Zeichnungen, Skulpturen und Gemälden. Frühe großformatige Bilder, die sich direkt auf seine Holocaust-Erfahrung beziehen, daneben ein Raum mit filigranen Zeichnungen und allen voran die expressiven, symbolisch aufgeladenen Manifeste der NO!art aus den späten 50er- und 60er-Jahren. Lurie kannte keine Grenzen, weil er als Holocaust-Überlebender den Bruch der Grenzen erfahren hat. Nahezu seine gesamte Familie wurde von den Nazis ausgelöscht, er selbst emigrierte 1945 nach New York und suchte fortan nach einer visuellen Sprache für etwas, das eigentlich nicht ausgedrückt werden konnte – die Massenvernichtung der europäischen Juden. Er provozierte, verwendete explizite Fotografien, pinselte grobe Hakenkreuze und Judensterne und erschuf eine singuläre künstlerische Position, die er konsequent vor der Öffentlichkeit verborgen hielt. Viel zu lang.  Aber sein Werk hat nur wenig von seiner drastischen Aussage verloren.   

Text: Jacek Slaski

Foto: Boris Lurie, No (Red and Black), 1963, Öl auf Leinwand, 56x89cm/ Boris Lurie Art Foundation, New York

Jüdisches Museum Berlin
Lindenstr. 9-14, Kreuzberg, Di–So 10–20 Uhr, Mo bis 22 Uhr, bis 31.7., 8/erm. 3 Euro

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