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Kenno Apatrida: „Exhumation“ in der Galerie Wilde Berlin

KennoApatridaAus „Zivilisationsmüll“ baut der Unter­grundkünstler Apatrida wunderbar mystische, in die Höhe gewundene Altarskulpturen, detailüberbordende Assemblagen und krude Zeichnungen. Erstmalig stellt die Galerie Wilde den weitgehend unbekannten Autodidakten in einer Ein­zelausstellung, mit dem passenden Titel „Exhumation“ (Ausgrabung), der etablierten Kunstwelt vor.

Apatrida bedeutet aus dem Spanischen übersetzt „staatenlos„. Ein treffender Titel für das Schicksal des seit zwei Jahrzehnten, ohne gültigen Pass oder feste Unterkunft, in Berlin lebenden Peruaners. Mit Anfang 20 studierte Apatrida Literatur, Theater und Philosophie in Kuba und Chile und kam während des Mauerfalls nach Berlin. Als sein Transitvisum in den politischen Wirren die Gültigkeit verlor, begriff der Künstler die Wendezeit als Stunde Null. Vergleichbar mit Jean-Michel Bas­quiat, schafft Apatrida aus der Illegalität und unter großen materiellen Entbehrungen eine eigenwillige Kunst.

KennoApatridaIch verarbeite, was die Überflussgesellschaft entsorgt„, so Apatrida, besonders Artefakte deutscher Geschichte, ob Kaiserreich, Nazi-Deutschland oder DDR. „Wir vernichten regelmäßig unsere Vergangenheit, und doch lässt sie uns nicht los“, glaubt der Künstler. In dem Kellergewölbe einer leer stehenden Brauerei verarbeitet Apatrida unser „kulturelles Unterbewusstsein“, wie der Künstler es nennt, in symbolgeladenen Altarskulpturen. Auf alten Kisten mit Bauschaumkitt verbinden sich röhrende Hirschkeramiken, Donald-Duck-Figuren, Marionetten, Totenköpfe, Hakenkreuzsymbole und Fruchtbarkeitsgöttinnen zu einem phantasmagorischen Bildkosmos. Die kerzen­beleuchteten Skulpturen vereinen Einflüsse aus Dadaismus und Voodoo-Zauber. Besonders eine Vision des Garten Eden von Hie­ro­nymos Bosch inspiriert Apatrida zu Zeichnungen und der Installation „Solve et Coagule“. Dabei handelt es sich um eine alchemistische Formel, die in der Übersetzung bedeutet: löse und verbinde neu – Apatridas künstlerische Maxime.

Text: Laila Niklaus

(tip-Bewertung: Sehenswert)

Kenno Apatrida „Exhumation“
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Galerie Wilde, Chauseestraße 7, Mitte, Di-Sa 12-18 Uhr, bis 25.4.2009

 

Weitere Ausstellungen:

Clemens Krauss im Haus am Waldsee (bis 26.4.)

Die Sprache Deutsch im Deutschen Historischen Museum (bis 3.5.)

Maix Mayer in der Galerie Eigen + Art (bis 9.5.)

Susi Pop in der Galerie Zwinger (bis 9.5.)

Stefan Panhans in der Galerie Olaf Stüber (bis 9.5.)

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