Ausstellungen

„Kids“ bei Contemporary Fine Arts

KIDS_Marc_Bandenburg_c_JochenLittkemann_ContemporaryFineArtsDiese Ausstellung ist mal etwas anderes, und sie macht Spaß. Gut drei Dutzend Kinderbildnisse hat Galeristin Nicole Hackert versammelt. Zu den Gemälden, Zeichnungen, Fotos und einem großformatigen Holzschnitt von Künstlern der Galerie gesellen sich museale Leihgaben. Denn der Überblick dieser vergleichenden Themenschau spannt den Bogen von der Klassischen Moderne bis hin zu Zeitgenössischem – von Emil Nolde und Paula Modersohn-Beckers inniger Darstellung eines „Sitzenden Mädchens mit Strohhut und Kind auf dem Schoß“ (1904) bis hin zu Georg Baselitz sowie der prägnanten Kleinen beim Spiel mit einem Schmetterling, die Dana Schutz 2012 ins „Butterfly“-Bild setzte. Es herrscht Ernst noch in der Verspieltheit. Bunt geht es zu bei den einen, eine Aura der Selbstversunkenheit betonen die anderen. Während sich das Kinderporträt im Altmeister-Kunsthandel nach wie vor großer Beliebtheit erfreut, wird es von Zeitgenossen sonst gerne gemieden. Zu wenig repräsentativ, zu wenig abgedreht erscheint das vermeintlich altmodische Thema wohl vielen.

Dem versucht man hier entgegenzuwirken, und so ist es überraschend zu sehen, was mancher aus dem Kindchenschema herausholt oder wie es ein anderer geschickt umgeht, wie Marc Brandenburg in seinen dichten Bleistiftzeichnungen eines leeren Spielplatzes (Abb.). Man kann den Parcours auch nutzen zum Erraten der Künstler, Andy Warhol etwa porträtierte 1981 den jungen Aeneas­ Bastian, oder einfach nur einzelne Werke bewundern wie den großartig unsentimentalen und doch charmanten „Skater“ Marcel Eichners. Ergänzend zur abwechslungsreichen Spielwiese der „Kids“ sind im Erdgeschoss die technisch ausgefeilten Arbeiten von Peter Böhnisch zu betrachten. Seine dreidimensionalen Bildwelten verweisen auf eine stille, spirituelle Wirklichkeit, wie sie nicht nur dem Kinderporträt zu eigen ist.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Jochen Littkemann / Contempory Fine Art

tip-Bewertung: Sehenswert

Kids sowie Peter Böhnisch bei Contemporary Fine Arts, Am Kupfergraben 10, Mitte, Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr, bis 22.9.

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