Ausstellungen

Königsstadt Naga im Kunstforum Berliner Volksbank

nagaZwei gefesselte Afrikaner spannen ihre Sehnen, frontal sehen uns zwei weitere Überwältigte an: ein Perser mit Zipfelmütze und ein Nomade mit nach oben stehendem Haarschopf. Sie vertreten kollektiv die nördlichen Feinde der Bewohner von Naga. Nur 100 Jahre blühte die Königsstadt in der ostafrikanischen Wüste, 130 Kilometer von Khartum entfernt. In diesem 1. Jahrhundert nach Christus haben dort Handwerker und Künstler in den Tempeln und Skulpturen unbefangen hellenistische und pharaonische Kultur miteinander verschmolzen. „Dies demonstriert die Weltoffenheit der Naga-Kultur am äußersten Südrand der antiken Kultur“, so Dietrich Wildung, Grabungsleiter in Naga und ehemaliger Chef des Ägyptischen Museums in Berlin.

In 15 Jahren minutiöser Grabungstechnik wurden fantastische Schätze zu Tage befördert, die nun im Kunstforum der Volksbank zu sehen sind. Im Mittelpunkt steht einer der zwölf Sandsteinwidder, die vor dem Amuntempel die monumentale Zugangsallee bilden. Mit sanft herausgemeißelten Spiralmustern ist es dem meroitischen Bildhauer gelungen, die flockige Wolltextur des Tieres zu suggerieren. Sagenhaft ist die Vielfalt der großen und kleinen Löwenfiguren, die mal wie ein Schoßhündchen daherkommen, mal gefährlich. Seit Juni 2011 hat die UNESCO Naga, das heute im krisengeschüttelten Sudan liegt, als Weltkulturerbe anerkannt. Nun fehlt nur noch ein Museum am Ort für die kostbaren Funde. David Chipperfield hat kostenfrei baureife Pläne dafür geliefert. Hoffentlich finden viele potenzielle Sponsoren den Weg in die betörend schöne Ausstellung.

Text: Martina Jammers

Foto: Naga-Projekt Berlin

tip-Bewertung: Herausragend

Königsstadt Naga Kunstforum Berliner Volksbank, Budapester Straße 35, Tiergarten, tgl. 10-18 Uhr, bis 18.12.2011

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