Ausstellungen

Konzeptleere: „Untitled“ in der NGBK

untitledBereits in den 1970er-Jahren verweigerten vor allem Vertreter der Minimal Art die vorschnelle Einordnung ihres Werks. Seither ist „Ohne Titel“ in allen Spielformen die am häufigsten verwendete Bezeichnung für Arbeiten zeitgenössischer Kunst. Die Gruppenschau „Untitled (Ohne Titel)“ will herausfinden, wie Künstler der Gegenwart Titel, die keine zu sein behaupten, einsetzen.

Die Künstlerliste mit multimedialen Arbeiten von u.a. Trisha Donnelly, Andrea Fraser, Peter Friedl, Ull Hohn, Karin Sander, Karl Holmquist und Louise Lawler ist hervorragend. Doch leider kränkelt die Schau an ihrer Ambition, eine verbindende These für titellose Arbeiten zu finden. So erklärt der Ausstellungstext recht schwam­mig, die ausgewählten Positionen wollten die paradoxen Qualitäten ihres Titels in eine weiterführende künstlerische Strategie überführen und das Betriebssystem Kunst in Frage stellen. Es ist fraglich, ob etwa Ull Hohn mit seinen kitschigen Landschaftsbildern (Abb.), nach Anleitung des amerikanischen TV-Malers Bob Ross gemalt, nicht eher das Medium Malerei und die Autorschaft des Künstlers untersucht. Schaut man die weiteren Positionen an, fällt die Beziehungslosigkeit der Werke zueinander auf. Ohne Titel scheint lediglich die formale Klammer zu sein. Der Besucher prallt ab an zuviel Konzeptleere. Die Schau lockt mit einem beeindruckenden Künstleraufgebot und kippt doch ab ins Belanglose.

Text: Laila Niklaus
tip-Bewertung: Zwiespältig

Untitled (Ohne Titel) NGBK, bis 12.12.2010

Foto: The Estate of Ull Hohn and  Galarie Neu, Berlin

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