Ausstellungen

Kristian Jarmuschek im Interview

Kristian_Jarmuschektip: Herr Jarmuschek, das Art Forum Berlin ist baden gegangen. Woran hat’s gehapert?
Kristian Jarmuschek: Unabhängig von der Frage der Verhaltensweise einzelner Akteure ist es so, dass die wirtschaftliche Kraft des Berliner Kunststandortes zu schwach war, um eine Messe vergleichbar mit Basel hier zu etablieren. Auf der anderen Seite spielt Berlin als Kommunikationsplattform immer noch die wichtigste Rolle in Europa. Das Missverständnis war, in Berlin eine Messe kopieren zu wollen und sich nicht auf die spezifischen Bedingungen vor Ort einzulassen.

tip: Könnte das dem Kunststandort Berlin schaden?
Jarmuschek: Es hat dem Standort schon geschadet! Das habe ich gemeinsam mit Rüdiger Lange und Ralf Schmitt, die mit mir die Preview Berlin organisieren, sehr stark bei der Vorbereitung unserer Messe gemerkt. Zum einen an der Verunsicherung der Galerien, zum anderen daran, dass viele Kulturinstitutionen und Sammler sich nicht mehr sicher waren, ob es überhaupt noch Sinn macht, nach Berlin zu kommen.

tip: Wie sieht die Zukunft des Kunstmarkts aus?
Jarmuschek: Ich würde mir wünschen, dass mehr Verbindlichkeit bei den Kunstinteressierten, Sammlern und Kuratoren Einzug hält. Es gibt zu wenig mäzenatisches Verständnis der Förderung von Kunst und Kultur. Die Produzenten selber sollten aufhören, sich gegenseitig über Abgrenzung von anderen zu definieren, und dafür stärker an der Entwicklung eigener Ideen und Formate arbeiten. Sie sind Teil eines Gesamtbildes, das Berlin abgibt.

tip: Ist in Deutschland nur Platz beziehungsweise Kaufkraft für zwei große Kunstmessen – in Köln und Karlsruhe?
Jarmuschek: Nein, Berlin ist genauso prädestiniert für eine internationale Kunstveranstaltung! Es ist eben nur eine Frage des richtigen Formates und des entsprechenden Netzwerkes, denn es gibt ja das funktionierende Gallery Weekend und die Preview Berlin, die aus Berlin heraus entwickelt wurden und wirtschaftlich erfolgreich sind.

tip: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: Wird die Preview durch die Differenzen, die es zwischen dem Art Forum und den abc-Machern gegeben hat, künftig profitieren?
Jarmuschek: Natürlich haben wir häufig die Reaktion erhalten, nun die wichtigste Messe vor Ort zu sein. Aber konkret sind durch die polarisierenden Verhandlungen und die daraus resultierende Absage des Art Forums keine Vorteile aus der Situation zu ziehen.

tip: Was erwartet die Besucher der Preview in diesem Jahr?   
Jarmuschek: Wir beginnen in diesem Jahr eine Kooperation mit der israelischen Kunstmesse Fresh Paint. Darüber hinaus werden wir spezielle Besucherprogramme anbieten, durch die wir versuchen, die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Positionen der Emerging Artists zu fördern und zu intensivieren.   

tip: Wie groß ist das internationale Interesse bzw. die Beteiligung aus dem Ausland?
Jarmuschek: Das internationale Interesse an der Preview ist da! Und wir konnten es im Vergleich zum vergangenen Jahr sogar steigern! 60 Galerien aus 15 Nationen sind auf der Preview Berlin vertreten. Aber wir merken schon, dass durch die Finanzkrise in Europa und Nordamerika einige eher zurückhaltend sind, sich an einer Messe in Berlin zu beteiligen.  

tip: Was präsentieren Sie mit Ihrer eigenen Galerie Jarmuschek + Partner auf der Messe?
Jarmuschek: Wir werden eine neue Künstlerin vorstellen, Nika Neelova, eine in Moskau geborene und in London lebende Künstlerin, die Installationen baut.

tip: Welche Pläne haben Sie noch?
Jarmuschek: Wir ziehen in Kürze in unser neues von Jens Casper, Thorsten Lockl und Lina Müller entworfenes Büro am Kreuzberger Moritzplatz und werden uns aktiv am Netzwerk Planet Modulor beteiligen. Vor Ort starten wir unser neues Projekt LEGO Art Box. Darüber hinaus denken wir über eine Preview Academy nach und entwickeln weitere Plug-ins für die Preview Berlin. Die Galerie aber bleibt der Halle am Wasser hinter dem Hamburger Bahnhof treu.

Interview: Andrea Hilgenstock

Foto: Andreas F. X. Siegert

Preview Berlin – The Emerging Art Affair Flughafen Tempelhof, Hangar 2, Columbiadamm 10, Tempelhof, Eröffnung: Do 8.9., 18–22 Uhr (Eintritt frei), Fr 9.–So 11.9., 13–20 Uhr, 10/6 Ђ, www.previewberlin.com

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