Ausstellungen

„Kultur: Stadt“ in der Akademie der Künste

UniversalmuseumJoanneum_ChristianPlachWow! Was der Berliner Architekt Jürgen Mayer H. mit seinem „Metropol Parasol“ in die Stadt Sevilla gepflanzt hat, ist ein Hingucker – und mehr als das. Man möchte sich gern aufhalten unter dem wabenähnlichen Schirm auf der Plaza de la Encarnaciуn in der Altstadt Sevillas, der vor der spanischen Sonne schützt und doch so leicht und luftig wirkt wie eine natürliche Erscheinung. Ein Panoramarundgang auf dem Dach des Schirmes ermöglicht einen tollen Blick auf die Straßenfluchten. Ein echtes Wahrzeichen ist dieser „Metropolensonnenschirm“, ein Ort der städtischen Identifikation und Symbol für Sevilla als Kulturmetropole. Im Untergeschoss befindet sich ein archäologisches Museum, auf Platz­ebene eine Markthalle. An Bars und Restaurants wurde ebenfalls gedacht. So dient der Bau, zu dem man freien Eintritt hat, vor allem der Kommunikation. Ein 150 Meter langes, 70 Meter breites und 28 Meter hohes architektonisches Meisterstück – und ein integrierendes Monument in einer sich verändernden Stadtgesellschaft.

Mit solch innovativer Stadtgestaltung befasst sich die Schau „Kultur: Stadt“ in der Akademie der Künste. Matthias Sauerbruch vom weltweit gefragten Berliner Architekturbüro Sauerbruch Hutton wählte 37 internationale Architekturprojekte aus, die in Modellen gezeigt werden – neue Ikonen wie Zaha Hadids Opernhaus von Guangzhou oder Gebäude, die selbst zur Stadt werden, wie Metropol Parasol. Mit dabei ist auch das Berliner Kulturforum. Der Masterplan von Hans Scharoun, Erbauer der Philharmonie, stammt von 1963. Dieser Plan wurde nie vollendet oder attraktiv ergänzt. Die sogenannte „Piazza“ glänzt nicht durch italienische Leichtigkeit, sondern als Leerstelle. Menschen halten sich dort in der Regel nicht auf. Dabei sieht man gerade am Beispiel des Architekturwunders von Sevilla, wie sich das Problem lösen ließe: mit Phantasie und neuen Denkansätzen. So war der gebürtige Norddeutsche Scharoun von Meer, Hafen und Schiffen fasziniert, als er die Philharmonie entwarf. Hier ließe sich anknüpfen, um die Ödnis am Kulturforum aufzuwerten.

GuggenheimBilbao_c_DavidHeald_TheSolomonR.GuggenheimFoundationNewYorZwischen seinem asymmetrischen Bau auf der einen Seite und der Neuen Nationalgalerie Mies van der Rohes auf der anderen könnte ein mutiger Gestalter Hand anlegen. Den politischen Willen natürlich vorausgesetzt. Das verunglückte Kunstgewerbemuseum von Rolf Gutbrod erscheint fehl am Platz. Statt es umzubauen, wie gerade geschehen, hätte die Stadtpolitik sich besser zum Abriss durchringen sollen. Solche Gedanken überfallen den Besucher angesichts der tollen Architektur-Modelle in den magisch abgedunkelten Ausstellungshallen. Da leuchtet die Elbphilharmonie von Herzog & de Meuron, die seit 2003 jährlich teurer wird und noch nicht vollendet ist. Ästhetik an der Grenze des Machbaren. Eine Arte-Povera-Variante war „Die Große Weltausstellung“ 2012 auf dem Tempelhofer Feld, eine temporäre Installation aus mehrstöckig verschachtelten Holzbauten.

Visionen tun Not. Auch für die Umnutzung leerer Gebäude. Eine solche Ausstellung macht das deutlich. Sie richtet sich aber an Insider, weniger an eine breite Öffentlichkeit. Es gibt jede Menge Apple-Technik und keine Erläuterungen an den Wänden. Stattdessen erhält der Besucher ein iPad, das Informationshäppchen bietet und Filmschnipsel mit Bildern der Schauplätze.
Das macht der Zapper-Community Freude, wirkt aber nicht sonderlich nachhaltig. Eine besonders anregende Idee zum Kulturbau kommt übrigens aus Paris. Das „Centre Pompidou Mobile“ stellt noch bis 2014 Exponate der Sammlung in einem Wandermuseum vor, das in Zelten von Ort zu Ort zieht. In Zeiten des Wandels sicher ein Modell mit Zukunft. Warum sollte Architektur nicht auch mal flexibel sein und zum Menschen kommen?

Text: Andrea Hilgenstock

Foto:Universalmuseum Joanneum, Christian Plach; David Heald, The Solomon R. Guggenheim Foundation NewYork (Foto rechts)

tip-Bewertung: Sehenswert

Kultur: Stadt Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Tiergarten, Di–So 11–19 Uhr, bis 26.5.

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