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Kunst aus den Tropen im Martin-Gropius-Bau

tropen_terminal_Martin_Gropius_Bau„Sie kommen genau richtig“, sagt Alfons Hug. „Gerade ist der Gursky angeliefert worden.“ Der Gursky heißt „Dubai World“ und besteht aus zwei monumentalen Farbfotografien. Die eine liegt noch halb verpackt auf dem Boden, die andere haben die Aufbauhelfer schon behutsam aufgehängt. Sie zeigt hunderte von Sandaufschüttungen im Persischen Golf wie aus der Perspektive eines allmächtigen Schöpfers. Von oben sehen die künstlichen Inseln, auf denen luxuriöse Apartments entstehen sollen, wie fröhliche weiße Farbkleckse auf einem tiefblauem Hintergrund aus, das Meer verliert sich im Dunst und scheint nahtlos in den Himmel überzugehen. An den gegenüber- liegenden Wänden erzählen Hans-Christian Schinks Panoramabilder der Ruinen von Machu Picchu und Angkor Wat schon von versunkenen Hochkulturen, und auch Edward Burtynskys Aufnahmen einer verblühten chilenischen Salpeterstadt hängen bereits da, wo sie hingehören. Das Ensemble soll durch ein Wandgemälde ergänzt werden, das im 6. Jahrhundert in der Atzekenhauptstadt Teotihuacбn entstand, doch das prächtige Stück ruht momentan noch im Zwischenlager, neben einer fast vier Meter langen, reich verzierten Signaltrommel aus Kamerun. „Erst wird die neue Kunst aufgebaut“, sagt Hug, „und dann kommt die alte.“
tropen_Singa_Martin_Gropius_BauDie Arbeiten von Gursky, Schink und Burtynsky setzen sich mit der Entstehung und dem Verfall von tropischen Metropolen auseinander, und sie sind Teil einer großen Ausstellung über die Tropen, die am 12. September im Martin-Gropius-Bau eröffnet. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun: Im Treppenhaus riecht es nach Farbe, in einem der Ausstellungsräume sind die beiden Schweizer Künstler Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger gerade damit beschäftigt, die urwaldartigen Wucherungen ihrer Installation „Der Traum der Büropflanze“ zu arrangieren, und nebenan werden MDF-Platten verschraubt, damit dort eine Videoarbeit von Julian Rosefeldt gezeigt werden kann, der Holzfäller im Regenwald gefilmt hat. Alfons Hug ist guter Dinge. „Wir liegen gut in der Zeit“, sagt er, während er durch die werdende Schau eilt, vorbei an einem 16 Meter breiten Wimmelbild, auf dem der thailändische Maler Navin Rawanchaikul seine Heimatstadt Bangkok als erdrückenden Moloch zwischen Stillstand und Raserei darstellt: „Unkontrolliertes urbanes Wachstum ist charakte-ristisch für die Tropen“, erklärt Alfons Hug. Er weiß, wovon er spricht, denn er ist der Leiter des Goethe-Instituts in tropen_Goiania_Martin_Gropius_BauRio de Janeiro, wo sich die Hütten der Ärmsten die Hügel hochfressen. Und er ist einer der Kuratoren der Tropen-Ausstellung, für die das Goethe-Institut und die Staatlichen Museen zu Berlin ihre Kräfte bündeln. In etwas geringerem Umfang war die Ausstellung bereits in Brasilia und in Rio zu sehen, im nächsten Jahr wird sie nach Johannesburg weiterziehen und möglicherweise auch nach Kapstadt. Hug hat dafür 85 Arbeiten von 40 zeitgenössischen Künstlern aus fünf Kontinenten zusammengetragen oder eigens in Auftrag gegeben. Diese Künstler kommen entweder selbst aus tropischen Regionen, oder sie repräsentieren den europäischen Blick auf die feuchtheiße Klimazone zwischen den beiden Wendekreisen, die spätestens seit Alexander von Humboldts Fahrt auf dem Orinoco die Fantasien und Sehnsüchte des Abendlandes beflügelt.

Den vollständigen Artikel finden Sie im tip 19/08

Text: Heiko Zwirner

Bildergalerie mit Fotos vom Martin-Gropius-Bau



Die Tropen. Ansichten von der Mitte der Weltkugel

Ausstellung im Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstr. 7, Kreuzberg
Fr 12.9. bis Mo 5.1., Mi-Mo 10-20 Uhr


Die Tropen. Veranstaltungsreihe
mit Musik, Film,
Performance, Fotografie, Symposien und Vorträgen
Ibero-Amerikanisches Institut, Hebbel am Ufer, Kino Arsenal
Fr 5.9. bis Do 18.12.
www.goethe.de/tropenausstellung

 

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