Ausstellungen

Kunst in Berlin: Ist gut, was machbar ist?

Neue_Nationalgalerie_Berlin, c_manfred_brueckelsMit einer „Machbarkeitsstudie“ will die Stiftung Preußischer Kulturbesitz noch im Sommer herausrücken und ihre Folgerungen präsentieren. Wir folgern, nicht alles, was machbar ist, erscheint auch sinnvoll. Mit einem Erweiterungsbau für die Moderne in Anbindung an die Neue Nationalgalerie könnte das Brachland am Kulturforum zu einem kulturellen Knotenpunkt werden. Warum muss die Museumsinsel überhaupt derart ausufern? Hier schieben sich die Touristen durch das Pergamon- und Neue Museum. Der Eröffnungshype um Nofretete ist dabei längst abgeebbt: von 903?000 Besuchern 2011 auf nur noch 701?000 im Jahr 2012. In Charlottenburg, wo die Ägypterin früher Hof hielt, lockt die Sammlung Scharf-Gerstenberg jetzt gerade mal 35?000 Besucher jährlich. Die Eröffnung immer neuer Häuser bringt also langfristig nichts. Außerdem: 2019 soll die Schloss-Attrappe fertig sein. In die Nachbarschaft noch einen weiteren Betonkasten als Gemäldegalerie zu pflanzen, wäre eine unsinnige Konzentration.

Wer will schon an einem Marathon durch die Weltkultur teilnehmen, um hinterher Plattfüße vor Dürer zu kriegen? Dabei liegt das Gute doch so nah! Die Schenkung des Sammlerehepaares Pietzsch, durch die die Diskussion über die Museumsrochade neu entflammte, wäre eine ideale Ergänzung für die Sammlungen Berggruen und Scharf-Gerstenberg. Hier könnte man einen Teil ihrer kleinformatigen Surrealisten zeigen, der andere gehört in die Neue Nationalgalerie bzw. einen Erweiterungsbau. Damit Beckmann, Grosz & Co endlich aus dem Depot auftauchen und die Kunst des 20. Jahrhunderts zu der Dauerausstellung kommt, die sie verdient!

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Manfred Brückels

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