Ausstellungen

Kunst des Widerstands

Es sind eindrucksvolle Fotos: Friedlicher Mensch auf Demo angesichts bewaffneter und hinter Schutzglaspanzern verrammelter Polizeigewalt. Wie auf dem Foto Erhan Ariks, das eine in Lederjacke gekleidete Frau mit Banner in der Hand auf dem feministischen Nachtmarsch am 8. März 2015 in Istanbul zeigt. Oder das Video „Oasis“ von Berat I??k von dem alten Mann, der nach 22 Jahren aus seinem Paradiesgarten vertrieben wird, um maßlosen Neubauprojekten Platz zu machen. Nichts kann die Brutalität rücksichtsloser Baupolitik besser visualisieren. Aus der Verteidigung eines Istanbuler Stadtparks, den die türkische AKP-Regierung für ein Einkaufszentrum plattmachen wollte, begann der sogenannte Gezi-Aufstand. Poster, Slogans, Performances, Filme, Lieder und Cartoons entstanden. Bemerkenswert humorvoll und einfallsreich – das zeigt die Ausstellung in der NGbK. Interessant ist es, die Entwicklung der türkischen Widerstandskultur seit den 1970er-Jahren zu verfolgen. Zur Ausstellung gehören Archivmaterial der 1.-Mai-Demo 1977, bei der 34 Menschen starben, und heutige künstlerische Auseinandersetzungen mit den damaligen Ereignissen. So wird erkennbar, dass eine starke Politisierung der türkischen Künstler stattgefunden hat, die sich in der Entwicklung eines neuen Kunstverständnisses im Land zeigt.   

Text: Constanze Suhr

Foto: Cem Dinlenmis

NGBK Oranienstr. 25, Kreuzberg, So–Mi 12–19 Uhr,?Do–Sa 12–20 Uhr, bis So 30.8.?

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