Ausstellungen

Kunst an extravaganten Orten

HeinrichHermes_EspaceSurplus

Charlotte McGowan-Griffins Installation „The Whiteness of the Whale part IV“ im Espace Surplus Le Grand. Foto: Heinrich Hermes / Espace Surplus

Die schöne Tradition, Kunst dort zu zeigen, wo Berlin entweder besonders pittoresk vor sich hinbröckelt oder gerade ganz neu entsteht, wird auch am Gallery Weekend hochgehalten. Außerhalb des offiziellen Programms gibt es vom 2. bis 4. Mai noch sehr viel  mehr zu entdecken – unter anderem in der Sammlung Haubrok in der ehemaligen Fahrbereitschaft Lichtenberg, in der Galerie Ebensperger im ehemaligen Krematorium Wedding, in den neuen Räumen der Held-Galerie im Bikini-Haus und im Kunstraum Between You and Me in der Wallstraße. Dort, direkt an der Spree, gibt es in dem spektakulär abgerockten Raum aus dem Jahr 1870 mit seiner „Only-Lovers-Left-Alive“-Atmosphäre nicht nur Installationen von Tilman Wendland zu sehen, sondern Kuratorin Bettina Springer, die zuvor schon an der Torstraße in ihrem Espace-Surplus-Projektraum zeitgenössische Kunst in ungewohnter Form präsentiert hat, lädt am Gallery-Weekend-Samstag zusätzlich zu einer Versteigerung von 70 Kunstwerken ein. Die geschätzten Preise liegen zwischen 200 und 4?000 Euro pro Bild, und es sind sowohl Arbeiten von Nachwuchskünstlern, aber auch Werke von etablierten wie Karin Sander dabei.

„Les Prochaines“ heißt die Aktion, die Kuratorin Springer zusammen mit der Journalistin Ulrike Demmer organisiert und konzipiert hat und die zum zweiten Mal stattfindet. „Letztes Mal konnten wir über 70 Prozent verkaufen“, sagt Bettina Springer, der außerdem wichtig ist, dass 90 Prozent des Erlöses direkt an die Künstler gehen: „Wir verstehen das als direkte Unterstützung der Berliner Kunst-Szene.“ Und falls doch nichts für den eigenen Geschmack dabei sein sollte – ein Besuch des Kunstraums in Mitte lohnt sich auch am terminüberfrachteten Gallery Weekend auf jeden Fall.

Weiterlesen: Bereits seinen 10. Geburtstag feiert das Gallery Weekend vom 2. bis 4. Mai. Für den besseren Überblick hier unsere Highlights

Gleiches gilt unbedingt für das Ausstellungsprojekt des Sammlers Haubrok in den Räumen der ehemaligen Fahrbereitschaft in Lichtenberg, die an dem Gallery Weekend öffentlich zugänglich sind. Diese Chance sollte man nutzen, um sich auf dem rauen Gelände zwei Ausstellungen anzusehen – einmal Werke des scheuen, niederländischen Fluxus-Künstlers Stanley Brouwn und zum anderen „The distance between me and you“, eine Auswahl aus der Haubrok-Sammlung, unter anderem mit Werken von Martin Creed, Morgan Fisher und On Kawara. Neben der gezeigten Kunst dürfte die Möglichkeit, selber mal nachzuschauen, ob und wie sich das neue Kunstquartier in Lichtenberg weiterentwickelt, zusätzlich für einen Besuch sprechen.

Ein ähnlich ambitioniertes Projekt ist auch weit im Westen zu entdecken. Die Räumlichkeiten von Patrick Ebenspergers Galerie im ehemaligen Krematorium Wedding aus dem Jahr 1930 sollen ähnlich wie in der Fahrbereitschaft Lichtenberg der Anstoß für eine weitere Entwicklung des gesamten Geländes zum Kunstquartier sein. An der Plantagenstraße dominiert bis jetzt noch der hohe, weite Hauptraum – eine ehemalige Aussegnungshalle aus den 1930er-Jahren – das Kunstgeschehen. Hier und in den darunter liegenden Räumlichkeiten zeigt David Moises gerade in seiner Ausstellung „Stuff Works“ Apparate und Installationen mit faszinierendem Eigenleben.

Von rein sakraler Atmosphäre ist auch das ehemalige Kirchen­areal St. Agnes in Kreuzberg getragen, das ebenfalls über einen überwältigenden Hauptausstellungsraum verfügt, der von der Galerie Johann König bespielt wird. Während des Gallery Weekends wird die In­stallation „Antiherbst“ von Michael Sailstorfer zu sehen sein. Neben der Kunst gibt es auf dem Kirchengelände entlang der Alexandrinenstraße schon eine deutliche Entwicklung hin zu dem von König angestrebten Kreativort zu sehen. So haben sich Architekturbüros wie ROBERTNEUN™ angesiedelt.

In einer ganz anderen, geradezu konsumfreudig weltlichen Umgebung zeigt sich dagegen eine Galerie, die sonst eher an verborgenen Orten wie dem verwunschenen „Secret Garden“ in der Gartenstraße zu finden war. Jetzt hat die Galerie Held mitten im neuen Konsum-Hotspot der Stadt, im gerade eröffneten Bikini Berlin, Räume bezogen und zeigt ausgerechnet in dieser Shoppingmall unverkäufliche Werke von William Copley, kommentiert von dem Berliner Künstler Saвdane Afif. Das Bikini-Haus wird so selbst Teil eines Kunstprojekts, und auch dies ist ja eine gute Tradition an Berliner Ausstellungsorten.

Text: Iris Braun

Top-Locations

Between you and me Espace Surplus Le Grand, ­Wallstraße 85, Mitte;  Kunst­auktion „Les Prochaines“, Sa 3.5., 16 Uhr, Vorbesichti­gungen Fr 2.5., 14–18 Uhr, Sa 3.5. ab 12 Uhr

Haubrok Ehemalige Fahr­bereitschaft, ­Herzbergstraße 40-43, ­Lichtenberg; Stanley Brouwn: „The distance ­between you and me“, Mi 30.4., 19–21 Uhr, 2.–4.5., 12–18 Uhr

Galerie Patrick Ebensperger Plantagenstraße 30, Wedding; David Moises: „Stuff Works“, Fr 2.5., 12–18.30 Uhr, Sa 3.5., 12–16 Uhr

Johann König St. Agnes, Alexandrinenstraße 118-121, Kreuzberg, Michael Sailstorfer: ­“Antiherbst“, Fr 2.5., 18–21 Uhr, Sa 3.5.–Mi 7.5., 11–18 Uhr

Heldart Bikini Berlin, ­Budapester Straße 50; Saвdane Afif, Do 1.5.–Sa 3.5., 17–19 Uhr, ­Charlottenburg

Mehr über Cookies erfahren