Ausstellungen

Kunst im Berliner Sommer

48_Stunden_Neukoelln_Biotop_Utopia_c_CorneliaBoerdleinSie gilt als typische Deutsche, dabei stammt sie aus den südamerikanischen Anden. Auch gesellschaftliche Höhen und Tiefen hat sie durchgemacht, aus den Kreisen der Adligen abgeschoben in die Menge der Ärmsten der Armen. Wenn das Thema wie bei den diesjährigen 48 Stunden Neukölln Perspektivwechsel heißt, welche schönere Metapher als die Geschichte unserer Kartoffel könnte es da geben?

Unter dem Arbeitstitel „Arme Kartoffel luxuriös“ erforscht die Neuköllner Künstlerin Eva AM Winnersbach innerhalb ihres mit Cornelia Bördlein konzipierten Projekts „Biotop-Utopia“ (Foto) das Erdapfelleben. Zunächst wegen ihrer filigranen Blüten und des üppigen Laubs als Zierpflanze in die botanischen Gärten Europas importiert und im 19. Jahrhundert von Künstlern gern als Arme-Leute-Sattmacherin gemalt, ist die Knolle heute wieder im Kommen. Mit Kartoffellager und Küche lässt uns die Künstlerin an ihren Recherche­ergebnissen zum Leben einer ehemaligen Einwanderin kombiniert mit einem Catering am Richardplatz teilhaben. Das Essen als soziales Element, die Selbstdarstellung über das Essen, dürfte auch für den Neuköllner Kiez mit seinem sich wandelnden Publikum ein treffendes Thema sein.

Beim Thema Perspektivwechsel gehe es um die menschliche Fähigkeit, sich Gedanken, Wahrnehmungen und Meinungen anderer Personen vorstellen zu können und diese für eine bestimmte Zeit zu übernehmen, sagt Festivalleiter Martin Steffens. Hier werden die Künstlerinnen und Künstler wie auch das Publikum aufgefordert, aus der Beschränktheit der eigenen Position gedanklich herauszutreten und in die Perspektive anderer zu wechseln. Bereits seit 2008 bemüht sich Steffens darum, den Schwerpunkt von 48 Stunden Neukölln auf Qualität zu legen, nicht auf Quantität. In diesem Jahr ist das Festival von 600 auf 400 Projekte geschrumpft. Es soll keine austauschbare Kulturveranstaltung sein, die überall stattfinden könnte, sondern sich auf die gesellschaftlichen Besonderheiten des Bezirks beziehen. „Wir wollen das Gewicht auf Inhalte legen, nicht auf lärmende, Bier trinkende Party­gänger“, so Steffens.

Dieses Jahr wurden drei Projekte von den Veranstaltern selbst initiiert, darunter neben dem Thema des urbanen Alterns die Einbeziehung der sogenannten Ehrenhalle am ehemaligen Standortfriedhof Lilienthalstraße an der Grenze zu Kreuzberg, 1936-1939 im Auftrag der Nazis errichtet. Die Künstlerinnen und Künstler sollen den Ort in seiner historischen Dimension kritisch hinterfragen und einen Diskurs über den Umgang mit ihm auslösen. Für das Projekt „Kunst und Kult – Stimmen der Religionen“ werden vier Künstlerinnen und ein Künstler sich mit jeweils einer religiösen Stätte des Bezirks auseinandersetzen, die jenseits ihres ursprünglichen Kulturkreises liegt. So wird sich Birgit Anna Schumacher in der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm in ihrer aktuellen Arbeit mit dem Begriff des Menschen im Islam als „kleines Universum“ als Spiegelbild des „großen Universums“ beschäftigen. Eine echte Herausforderung, denn natürlich besteht die Gefahr, dass der Ort selbst, der mit sauberen Socken betreten werden darf, der Kunst atmosphärisch überlegen ist.

Text: Constanze Suhr

Foto: Cornelia Bördlein

48 Stunden Neukölln. Perspektivwechsel!
14.–16.6., www.48-stunden-neukoelln.de

MESSEN & FESTIVALS IM SOMMER

JUNI

Offene Ateliers
Zahlreiche in Friedrichshagen ansässige Künstler erlauben einen Blick ins Atelier. Höhepunkt der Veranstaltung ist die große Kunstauktion im Kino Union, Bölschestraße 69. Weitere Informationen finden Sie unter www.friedrichshagen.net.
8.6., verschiedene Orte

JULI

Open Air Gallery
Wo normalerweise eine Blech­lawine entlangrollt, entsteht eine Galerie unter freiem Himmel. Viele Künstler bieten auf der Oberbaumbrücke ihre Werke an. Mal-Aktionen für Kinder und ein Rahmenprogramm ergänzen das sommerliche Kunstereignis.
7.7., Oberbaumbrücke

Kunst am Spreeknie
Unter dem Motto „20 Orte – 40 Events – 800 Kreative: Das ist Schöneweide!“ präsentiert das Kunstfestival Schöneweide als lebendigen Kunststandort. Weitere Informationen und Termine finden Sie im Internet auf www.kunst-am-spreeknie.de.
12.–21.7., verschiedene Orte

AUGUST

Lange Nacht der Museen
Shuttlebusse, spezielle Führungen, Konzerte und die ganze Vielfalt der Berliner Museenlandschaft.
31.8., verschiedene Orte

SEPTEMBER

Tag des offenen Denkmals
Historische Bauten und Stätten, die sonst nicht oder nur teilweise zugänglich sind, können besichtigt werden. Historiker, Archäologen und Restauratoren erläutern die Besonderheiten des jeweiligen Denkmals.
7.9., verschiedene Orte

Lange Nacht der Bilder in Lichtenberg
Unter dem Motto „Lebenswelten“ zeigt sich Lichtenberg von seiner künstlerischen Seite. Im Vordergrund stehen die Lebenswelten der Bewohner. Alle Informationen finden Sie auf www.kulturring.org.
14.9., verschiedene Orte

Berlin Art Week
Das Großprojekt geht in die zweite Runde. Wieder wird rund um die Kunstmessen abc und Preview die Stadt als international relevanter Kunststandort inszeniert. Unterstützt von zahlreichen Institutionen wie der Akademie der Künste, C|O Berlin, der Neuen Nationalgalerie und dem Haus der Kulturen der Welt und mit Veranstaltungen, Diskussionen, Partys und Performances kann die Berlin Art Week getrost als Kunst-Höhepunkt des Jahres bezeichnet werden.
17.–22.9., verschiedene Orte

abc – art berlin contemporary
An der abc – art berlin contemporary sind über einhundert bedeutende Galerien aus mehr als 15 Ländern beteiligt. Die Messe gehört zu den wichtigsten Plattformen sowohl für junge Talente als auch etablierte Kunststars.
19.–22.9., Station Berlin

Berliner Liste
Die Kunstmesse zeigt ein weites Spektrum von Malerei, Zeichnungen und Grafik bis zu Fotografie, Videos und Installationen. Über 100 Galerien präsentieren ihre Künstler.
19.–22.9., Kraftwerk Berlin

Preview Berlin
Im neunten Jahr ihres Bestehens präsentieren sich Galerien aus Berlin und der internationalen Kunstszene. Neben den klassischen Messeständen wird es die bereits im Jahr 2012 erstmals etablierten Solowände geben, die jungen Künstlern und Galerien ermöglichen, ihre Positionen vorzustellen.
19.–22.9., Flughafen Tempelhof 

AUSSTELLUNGEN IM SOMMER

JUNI

Camera Work rocks
Jimi Hendrix, David Bowie oder die Rolling Stones – die auf Fotografie spezialisierte Galerie zeigt eine Gruppenausstellung mit über 100 herausragenden Por­träts der einflussreichsten Musiker der vergangenen Jahrzehnte.
8.6.–17.8., Camera Work

Horst Antes. Malerei 1958–2010
Die Ausstellung zeigt Werke des 1936 geborenen deutschen Künstlers Horst Antes, der zu den Pionieren der gegenständlichen sowie neuen figurativen Malerei gehört. Neben seinen Gemälden sind auch Skulpturen zu sehen.
14.6.–16.9., Martin-Gropius-Bau

Domestic Utopias
Die Ausstellung untersucht utopische Entwürfe und Formen des Zusammenlebens und geht der Frage nach, inwieweit Architektur und Raum mit der Aufteilung und Bewertung von Haus- und Sorgearbeiten verschränkt sind.
15.6.–28.7., NGBK

Hilma af Klint
Retrospektive der schwedischen Malerin, Spiritistin, Theosophin und Anthroposophin Hilma af Klint (1862–1944). Af Klint war anfangs von Edvard Munch beeinflusst und erschuf ab 1920 ein stark von der Anthropo­sophie geprägtes Werk.
15.6.–6.10., Hamburger Bahnhof

Re.act.feminism #2
Das mehrjährige Ausstellungs- und Archivprojekt zeigt über 250 Film- und Fotodokumente der feministisch inspirierten und genderkritischen Performancepraxis. Der Fokus liegt auf Arbeiten internationaler Künstlerinnen und Aktivistinnen aus den 1960er- bis frühen 1980er-Jahren sowie zeitgenössischen Positionen.
21.6.–18.8., Akademie der Künste, Hanseatenweg

Tobias Zielony
Mehrere Jahre arbeitete der deutsche Fotograf an seinem Projekt, für das er die halbe Welt bereiste und mit nüchternem Blick Jugendliche und deren Alltag dokumentierte.
21.6.–30.9., Berlinische Galerie

Kierkegaard – Entweder / Oder
Zehn internationale Künstler widmen sich zum 200. Geburtstag des dänischen Philosophen dem Denksystem Kierkegaards und stellen ihre konzeptuellen Arbeiten im Bezug zu dessen Existenzphilosophie.
22.6.–22.9., Haus am Waldsee

Rolf Szymanski
Zu Ehren des Bildhauers Rolf Szymanski werden mit einer Auswahl seiner Plastiken aus fünf Jahrzehnten die Höfe und der Glasgang des Akademie-Gebäudes bespielt. Das zentrale Thema von Szymanskis Werken ist die menschliche Figur.
28.6.–3.11., Akademie der Künste, Hanseatenweg
juli
125 Jahre National Geographic
Die National Geographic Society wurde 1888 in Washington gegründet und verstand sich als Gesellschaft zur Förderung der Geografie. In dem hauseigenen Magazin wurden die Wunder der Welt beschrieben. Die Fotoausstellung zum 125. Jubiläum beleuchtet die Geschichte der renommierten Institution.
12.7.–7.8., Willy-Brandt-Haus

AUGUST

Urlaub nach dem Fall
Wie sich politische und historische Einflüsse auf architektonische Begebenheiten auswirken, erörtert die Ausstellung am spezifischen Beispiel von den Transformationen sozialistischer Ferienbauten an der kroatischen Adriaküste, die im Zuge von Titos Modernisierungspolitik in den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden sind.
10.8.–1.9., NGBK

Meret Oppenheim
Große Retrospektive zu Ehren der berühmten deutsch-schweizerischen Künstlerin. Die gebürtige Berlinerin Meret Oppenheim (1913–1985) gilt als herausragende Vertreterin des magischen Surrealismus. In den frühen 30er-Jahren reiste sie erstmals nach Paris und verkehrte schon bald in den Kreisen um Alberto Giacometti, Hans Arp, Andrй Breton und Max Ernst. Sie erschuf Skulpturen, Theater­bilder, Mode und betätigte sich auch als Lyrikerin.
16.8.–1.12., Martin-Gropius-Bau

Poesie und Industrie
Die Berliner Designerin Barbara Schmidt gehört zu den erfolgreichsten zeitgenössischen Designern in Deutschland und repräsentiert eine neue Generation, die sich mit der Gestaltung von Alltagsgegenständen – hier Porzellan – auf die Bedürfnisse einer sich neu formierenden Gesellschaft einstellt, ohne die Tradition des Materials und der Form zu verleugnen.
21.8.–4.11., Bauhaus-Archiv

1813 – Auf dem­ Schlacht­feld bei Leipzig
Bedeutende Aspekte der europäischen Siegesschlacht über Napoleon werden in einem Rundgang durch das Gemälde „Siegesmeldung“ von Johann Peter Krafft verdeutlicht.
22.8.–15.12., Deutsches Historisches Museum

Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst
Seit 2000 vergeben die Freunde der Nationalgalerie den Preis, über die Auswahl der Künstler entscheidet eine internationale Fachjury. Die Ausstellung zeigt Arbeiten der in diesem Jahr Nominierten, darunter Kerstin Brätsch, Mariana Castillo Deball, Simon Denny und Haris Epaminonda.
30.8.–12.1., Hamburger Bahnhof

Arte Postale
Die Ausstellung zeigt Bilder­briefe, Künstlerpostkarten und Mail Art. Im historischen Teil sind noch nie oder selten gezeigte Schätze zu sehen, darunter Briefe und Karten von George Grosz, Else Lasker-Schüler und Hans Scharoun, aquarellierte Botschaften von Sarah Kirsch und Einar Schleef. Einen zweiten Schwerpunkt der Schau bilden Postkarten und Brief­umschläge von herausragenden Protagonisten der DDR-Mail-Art-Szene.
30.8.–8.12.,  Akademie der Künste, Pariser Platz

SEPTEMBER

Bin ich schön?
Die Ausstellung widmet sich den vielfältigen Aspekten rund um die Macht und das Machen von Schönheit und kulturellen Grundlagen von Schönheitsidealen.
27.9.–23.2., Museum für Kommunikation

Schöne Grüße Thomas Schütte
Im Mittelpunkt der Ausstellung sind über 200 Druckgrafiken des 1954 in Oldenburg geborenen Bildhauers und Zeichners Thomas Schütte zu sehen. Daneben werden Objekte, Skulpturen und Künstlerbücher gezeigt.
17.9.–31.3.2014, me Collectors Room

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