Kommentar

„Kunst kostet“ von Stefanie Dörre

Kostenbewusstsein und Kunst sind zwei Dinge, die sich eigentlich ausschließen. Schließlich lebt Kunst davon, dass Künstler am Limit arbeiten. In vielerlei Hinsicht. Auch beim Geld

Stefanie Dörre

Daher ist es ja Aufgabe der Kuratoren, den Künstlern beizubringen, nicht mehr als geplant auszugeben. Jetzt hat die Documenta 14 ein Defizit von 7 Millionen Euro produziert und ihr künstlerischer Leiter Adam Szymczyk steht in der Kritik. Das seien „vorhersehbare Herausforderungen“ gewesen, schreibt er. Bedeutet: Die Documenta-Gesellschafter (Land Hessen und Stadt Kassel) hätten das Finanzloch kommen sehen müssen, als sie dem Athen-Kassel-Konzept zustimmten. Ein ziemlich dreistes Argument vom Leiter einer Kunstschau, die die Welt mehr Moral lehren wollte. Verantwortung sieht anders aus.
Trotzdem ist es falsch, in Häme zu verfallen. Denn die Documenta 14 hat die entscheidenden Themen der Zeit Krieg, Flucht, Kapitalismus, Kolonialismus, und Rassismus ins Zentrum gesetzt. Ja, die Kuratoren haben sich dabei sehr wichtig genommen. Und ja, es waren zu viel moralische Keule dabei. Doch die Weigerung, eine Leistungsschau beeindruckender Einzelwerke abzuliefern und die Erwartungen des Publikums und der Kunstkritiker zu bedienen, war richtig. Die Kritiker haben sich auch prompt gerächt und die Documenta 14 als Desaster eingestuft. Übrigens wurden auch heute legendäre Documentas wie die von Harald Szeemann 1972 als misslungen diffamiert. Ich würde wetten, dass auch Szymczyk in fünf Jahren anders beurteilt wird.

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