Ausstellungen

„Kunst in Los Angeles 1950-1980“ im Martin-Gropius-Bau

Der Action-Painter Jackson Pollock und der Pop-Artist Andy Warhol revolutionierten die Kunstwelt. Das war an der Ostküste. Doch welche Künstler arbeiteten zeitgleich am anderen Ende der Vereinigten Staaten, in Kalifornien? Zwar wirkten dort nach dem Zweiten Weltkrieg auch einige berühmte Künstler wie John Baldessari, David Hockney oder Ed Ruscha. Aber die Entwicklung dieser Szene ist bislang wenig bekannt. Das erkannte auch die in Los Angeles beheimatete Getty Foundation und ließ sich ein ganzes Bündel von Ausstellungen und Veranstaltungen zehn Millionen Dollar kosten. Über 60 Kulturinstitutionen aus Südkalifornien haben sich zusammengeschlossen, um „Pacific Standard Time. Art in Los Angeles 1945 – 1980“ auf den Weg zu bringen. Die einzigartige Initiative beleuchtet derzeit im Getty-Museum und an 60 weiteren Orten der Westküste die Geschichte der modernen Kunst in Kalifornien.

Im Frühjahr wird die zentrale Schau im Martin-Gropius-Bau gezeigt, als einzige Station in Europa. Erarbeitet wurde sie vom Getty Research Institute. Dessen Leiter Thomas W. Gaehtgens war 26 Jahre Professor für Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. Was bedeutet diese Forschung für die amerikanische Kunstgeschichte? „Man muss sie neu schreiben, denn jetzt wissen wir mehr über die Moderne in Kalifornien“, sagt Gaehtgens. Endlich bekommen wir eine bessere Vorstellung von der Entwicklung, Originalität und ungewöhnlichen Kreativität der Kunstszene in L.A. Die Ausstellung wird auch zeigen, welche eigenen Kunstformen wie Assemblage-Skulpturen und Hard-Edge-Malerei sich dort herausgebildet haben. Auslöser für die umfangreiche Recherche waren Lyn Kienholz, die geschiedene Frau des Künstlers Edward Kienholz, und der Maler und Museumsdirektor Henry Hopkins. Sie regten vor zehn Jahren in einem Gespräch mit der Getty Foundation an, man müsse dringend etwas tun, um die Geschichte der Moderne in L.A. zu bewahren. Keiner kümmere sich um die Nachlässe der Künstler. Wertvolle Dokumente gingen verloren. Die Stiftung unterstützte daraufhin eine große Zahl von Kultureinrichtungen in der Aufarbeitung ihrer Archive. Das Getty Research Institute begann gezielt, Nachlässe zu sammeln und zu katalogisieren.

Ein Ergebnis dieser Forschungen sind die „Grüße aus Los Angeles“. Dieser zweite Teil der dreigeteilten Schau im Martin-Gropius-Bau beleuchtet mit über 200 Fotos, Katalogen, Büchern, Postern, Postkarten, Briefen, Einladungen und Kunstwerken unter anderem die Galerienszene und den politischen Aufbruch. Teil eins zeigt den Aufstieg L.A.s zum wichtigen Kunstzentrum und vereint die Höhepunkte: Baldessari, Kienholz, Bruce Nauman, rund 70 Werke von 40 Künstlern – ein Who’s who der Szene. Die Malerei von Hockney und Ruscha mündete in die Erweiterung der künstlerischen Mittel. Das Aufeinandertreffen von Kunst und Technik zählt ebenfalls zur Ausweitung der Kampfzone über die Leinwand hinaus. Dabei werden auch Arbeiten kaum bekannter afroamerikanischer Künstler vorgestellt, die Assemblage-Werke von Betye Saar etwa oder Noah Purifoy. Im dritten und letzten Teil der Schau sind die Architekturfotos von Julius Shulman zu sehen. Mehr als 30 Jahre fotografierte er Häuser der Moderne, von Frank Lloyd Wright oder Frank O’Gehry, und machte sie zu Ikonen der Moderne.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: David Hockney / Collection Tate Gallery / London / 2011

„Pacific Standard Time. Kunst in Los Angeles 1950-1980“ Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg,
Mi–Mo 10–20 Uhr, 15.3.–10.6.2012

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