Ausstellungen

Kunst in Neukölln

Grauwacke-Atelier-Bauer-und-LuccheseGegenüber dem Rathaus Neukölln zieht sich die Boddinstraße den Berg hoch bis zur Hermannstraße: Thai-Imbiss, Bergklause, Afro-Center, asiatische Lebensmittel, die typische bunte Palette. Zwei Pizza-Esser vor einem Imbiss, aus dem Lokal nebenan strömt süßliches Aroma aus Wasserpfeifen. Doch an der Nummer sieben ändert sich das gewohnte Bild: Eine Gruppe junger Leute steht, an Bierflaschen nuckelnd, vor zwei hell erleuchteten Schaufenstern. Die Klientel würde man eher in Prenzlauer Berg vermuten. Im „Kaleidoskop“ findet eine Vernissage statt, gezeigt werden von drei jungen Fotografen inszenierte hochglänzende skurrile Momente unter dem Titel „Gesellschaftsspiele“.

Natalie van Sasse van Ysselt hat ihre Galerie 2009 im Kiez eröffnet, nachdem sie bereits im Pfefferberg Ausstellungen kuratiert hatte. Das Publikum sei gemischt, sagt sie, also nicht nur Mitte, Prenzl’berg, sondern auch Neukölln. Ein Galerienviertel ist der Norden Neuköllns bei Weitem nicht. Die hier zahlreich angesiedelte Künstlerschaft hat den Bezirk allerdings stark geprägt. Kaum ein neues Lokal, das nicht Kunst an den Wänden hat. Hier muss man sich schon mal über die Kaffeetasse eines anderen Besuchers beugen, um ein Bild besser begutachten zu können, wie zum Beispiel in dem sympathischen, an die Kreuzberger 60er-Jahre erinnernden „Klötze und Schinken“ in der Bürkner Straße. Neben den ständig präsenten kommunalen Ausstellungsräumen wie im Saalbau Neukölln und im Körnerpark gibt es nur eine Handvoll Galerien mit regelmäßigen Öffnungszeiten.

Klaus Bortoluzzi führt die R31 in der Reuterstraße zusammen mit Denise Puri seit Anfang 2005. Sie halten sich mit Verkäufen aus dem Shop über Wasser und zahlen auch schon mal drauf. Seit zwei Jahren läuft die R31 ohne Förderung, doch das Engagement geht weiter. Über Mangel an Anfragen von Künstlern können die Galeriemacher nicht klagen. Gerade wurde eine Ausstellung mit dem Amerikaner Mike Zimmerman eröffnet. Der Künstler lebt in Berlin, aber die Galeristen haben auch Connections zu New York. R31 beteiligt sich regelmäßig an den Neuköllner Kunst- und Kulturaktionen „48 Stunden Neukölln“ und „Nacht und Nebel“. Wer sich einen Überblick über das angesiedelte Kunstvolk und diverse Projekt- und Atelierräume machen möchte, ist am besten bedient, wenn er diese jährlich stattfindenden Veranstaltungen besucht. Ende 2010 haben sich die Kreativen des Reuterkiezes zum Verein „Kunstreuter“ zusammengeschlossen, um sich im Zuge ihres Überlebenskampfes besser präsentieren zu können. Wer zu deren jährlichem „Frühlingserwachen“ ihr Logo mit dem kleinen geflügelten Reiter entdeckt, kann also hinter einer so gekennzeichneten Tür Kunst und Kultur erwarten.

Text und Foto: Constanze Suhr

Galerie Crystal Ball Schönleinstraße 7 (Kreuzberg), „Elke Graalfs“, 13.5.–17.6., Do, Fr, So 15-20 Uhr, Eröffnung 13.5.

Galerie R31 Reuterstraße 31, Mike Zimmerman, bis 28.5., Do–So 15–19 Uhr

Kaleidoskop Boddinstraße 7, „Gesellschaftsspiele“, bis 27.5., Mi 18.30–22.30 Uhr, So 16–20 Uhr

Kunstraum t27 Thomasstraße 27, „spuren und sichten“, bis 22.5., Mi–So 15-19 Uhr

Ohrenhoch – der Geräuschladen Weichselstraße 49, So 14–21 Uhr

Saloon Su de CouCou Weserstraße 202, Di–Sa 10–19 Uhr, „Feetish“, bis 27.5.; „Jürgen Zumbrunnen“ bis 9.6., Eröffnung 19.5.

Schillerpalais Schillerpromenade 4, Mo–Fr 14–18 Uhr, „Marius Heckmann“, bis 27.5.

www.48-stunden-neukoelln.de
www.nacht-und-nebel.info
www.kunstreuter.de
www.knnk.de
www.kulturnetzwerk.de

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