Vorschau

Kunstjahr 2022: Die wichtigsten Events und Ausstellungen in Berlin

Kunstfans können sich auf ein großartiges Kunstjahr 2022 in Berlin einstellen, zumindest unter derzeitigen Anzeichen. Aber bisher sieht es ganz gut aus und geplanten Ausstellungen geben guten Grund zur Vorfreude. Neben großen Schauen in den Museen und traditionellen Highlights wie dem Gallery Weekend wird dieses Jahr auch wieder die Berlin Biennale stattfinden. Wir geben euch einen Ausblick.


Bild und Raum. Candida Höfer im Dialog mit der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek

Candida Höfer, Rossiskaya gosudarstvennaya biblioteka Moskwa II 2017 Foto: Candida Höfer/VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Candida Höfer, Rossiskaya gosudarstvennaya biblioteka Moskwa II 2017 Foto: Candida Höfer/VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Interieurs der berühmten Fotografin, die zur Düsseldorfer Schule gezählt wird, sollen zum Vergleich neben thematisch verwandten Aufnahmen aus der Fotosammlung der Kunstbibliothek hängen. Zu den insgesamt etwa 200 gezeigten Werken gehören auch Aufnahmen aus zoologischen Gärten und bislang wenig bekannte Serien aus Höfers Frühwerk sowie deren selten oder noch nie gezeigte Pendants aus der Sammlung Fotografi. Sie laden zu neuen Blicken auf das Werk Höfers und die Sammlung Fotografie, aber auch auf das Medium Fotografie selbst ein.

  • Museum für Fotografie Jebensstraße 2, Mitte, Di–So 11–19 Uhr, Do bis 20 Uhr, 10/5 €, 25.3.–28.8., Tickets

Paul Gauguin – Why Are You Angry?

Ein streitbarer Künstler und eine der wichtigsten Ausstellungen in Berlin 2022: Paul Gauguin, Tahitianische Fischerinnen, 1891. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie/Leihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung/Jörg P. Anders
Ein streitbarer Künstler und eine der wichtigsten Ausstellungen in Berlin 2022: Paul Gauguin, Tahitianische Fischerinnen, 1891. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie/Leihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung/Jörg P. Anders

Nach „Whose Expression“ im Brücke-Museum der zweite Versuch eines Berliner Museums, den Expressionismus zu dekolonialisieren. Wie kein anderer brachte Paul Gauguin (1848 ­– 1903) das ‚Exotische‘ in die westliche Malerei. Seine bekannteste Gemälde entstanden während seines Aufenthaltes auf der Südseeinsel Tahiti (damals französische Kolonie)und zeigen teils erfundene Paradies-Szenerien und vor allem Frauen. Damit prägte er auch die westliche Vorstellung von der erotischen Südsee-Schönheit. Die Ausstellung nährt sich Gauguin aus verschiedenen Perspektiven, auch durch Werke zeitgenössischer Künstler:innen wie Angela Tiatia (Neuseeland/Australien), Yuki Kihara (Samoa/Japan) und den tahitianischen Aktivisten und Künstler Henri Hiro (Französisch-Polynesien).

  • Alte Nationalgalerie Potsdamer Str. 50, Tiergarten, Di–So 10–18 Uhr, Do bis 20 Uhr, 10/ 5 €, 26.3.–10.7., Tickets

18. Berlin Gallery Weekend

Vergangenes Jahr zeigte die Galerie ChertLüdde zum Gallery Weekend Monia Ben Hamouda*, dieses Jahr stellen Petrit Halilaj & Alvaro Urbano with Annette Frick aus, 2021 Foto: Stefan Korte
Vergangenes Jahr zeigte die Galerie ChertLüdde zum Gallery Weekend eine Installation von Monia Ben Hamouda*, dieses Jahr stellen Petrit Halilaj & Alvaro Urbano with Annette Frick aus, 2021 Foto: Stefan Korte

Wenn im Frühling Berliner:innen aus dem Winterblues hinaustreten auf die Straßen und Plätze der Stadt, kommt das Gallery Weekend genau richtig. Traditionell am letzten Aprilwochenende stehen die Türen offen bei führenden und kleineren Galerien. Dieses Jahr sind es 52 und sie zeigen Arbeiten von rund 80 etablierten sowie aufstrebenden Künstler:innen. Darüber hinaus eröffnen zahlreiche Museumsausstellungen und Privatsammlungen neue Ausstellungen zum Gallery Weekend.


12. Berlin Biennale

Museo de la Solidaridad Salvador Allende, Installationsansicht der 11. Berlin Biennale im Gropius Bau. Foto: Claudia Wahjudi

Der Künstler Kader Attia leitet die 12. Berlin Biennale, gemeinsam mit einem transkontinentalen Kurator:innenteam, zu dem unter anderem die Künstler:innen Ana Teixeira Pinto, Đỗ Tường Linh und Noam Segal gehören. Unter dem Motto „Reparatur“ erwarten Kunstfans Ausstellungen, Interventionen, Veranstaltungen an mehreren Orten in Berlin. Wie schon in den vergangegen Ausgaben blickt die Berlin Biennale auf soziale, politische und ökonomische Weltzusammenhänge sowie das Potenzial der Kunst als kritische und reparierende Praxis.

Kunst-Werke und weitere Orte geplant für 11.6.–18.9., Infos&Tickets


Sibylle Bergemann – Engel und Schuppentier: „Frieda“

Highlight im Kunstjahr 2022: Sibylle Bergemann, Birgit, Berlin, 1984, Foto: Estate Sibylle Bergemann/OSTKREUZ. Courtesy Loock Galerie, Berlin
Highlight im Kunstjahr 2022: Sibylle Bergemann, Birgit, Berlin, 1984, Foto: Estate Sibylle Bergemann/Ostkreuz. Courtesy Loock Galerie, Berlin

Die erste Museumsretrospektive der 2010 gestorbenen ostdeutschen Fotografin Sibylle Bergemann (*1941) soll mehr als 200 Bilder zeigen, im Fokus: Frauen und Mode in der DDR. Bergemann setzte nicht auf idealisierte Inzenierung, sondern fotografierte ihre Modelle unprätentiös, zwischen Melancholie und Surrealismus wandelnd, an alltäglichen Orten, vor grauen Häuserfassaden und maroden Industrieanlagen, auf dem Gemüsemarkt oder am Strand.

  • Berlinische Galerie Jakobstraße 124-128, Kreuzberg, Mi–Mo 10–18 Uhr, 6 €, 24.6.–10.10., Tickets

48 Stunden Neukölln

Mit 48H Neukölln beginnt der Sommer in Berlin. Foto: Imago/Müller
Mit 48H Neukölln beginnt der Sommer in Berlin. Foto: Imago/Müller

„Kafayı yemek“ ist eine der meist benutzen türkischen Redewendungen und heißt übersetzt: „Ich esse meinen Kopf“. Sie kann eine starke Reaktion auf ein dramatisches Ereigenis ausdrücken aber auch eine Methode, den Moment zu hinterfragen. „Kafayı yemek“ ist vielfältig und passt somit bestens als Festivalthema für das vielfältige, kostenlose Berliner Kunstfestival 48 Stunden Neukölln. Ende Juni, wenn Berlin am meisten Spaß macht, zeigen Projekträume, Cafés und Bars zeigen Berliner Künstler:innen ihre Arbeiten, es gibt aber auch Performances, Lesungen und musikalische Events. Die teilnehmenden Künstler:innen werden in den nächsten Monaten bekannt gegeben.

  • Verschiedene Orte in Neukölln 24.6.–26.6., Infos

Sammlungen

Federmantel (Hawaii, vor 1819) im Modul „Kunst aus Ozeanien. Ritual und Ausdruck“ des Ethnologischen Museums im Humboldt Forum. Foto: Alexander Schippel
Federmantel (Hawaii, vor 1819) im Modul „Kunst aus Ozeanien. Ritual und Ausdruck“ des Ethnologischen Museums im Humboldt Forum. Foto: Alexander Schippel

Die umstrittenen Dauerschauen von Ethnologischem Museum und Museum für Asiatische Kunst gehen in die zweite Runde: Jetzt eröffnen die Säle im Ostflügel der 2. und 3. Etage mit Kunst aus Südamerika und Südostasien. Gezeigt werden unter anderem Bauwerke aus Ozeanien, die Cotzumalhuapa-Stelen aus Mesoamerika und vieles mehr.

  • Humboldt Forum geplant für Spätsommer

Berlin Art Week

Eines der Highlights der Berlin Art Week 2021 war die Ausstellung von Alicja Kwade in der Berlinischem Galerie. Foto: BeataxSiewicz
Eines der Highlights der Berlin Art Week 2021 war die Ausstellung von Alicja Kwade in der Berlinischem Galerie. Foto: Imago/Pacific Press Agency/Beata Siewicz

Das Get Together der Berliner Kunst – vielleicht sogar wieder mit vielen internationalen Gästen, die Kunstmessen und die Höhepunkte der Hauptsaison sehen wollen. Die Berlin Art Week läutet mit einem großen Aufgebot an Ausstellungen und Veranstaltungen den Kunstherbst ein. Es ist eigentlich unmöglich, alles in den vier Tagen zu sehen, aber zum Glück laufen die meisten Ausstellungen über die Art Week hinaus. Außerdem werden auch in diesem Jahr wieder die bemerkenswertesten Projekträume, Off-Spaces und Künstler:inneninitiativen ausgezeichnet. Das Programm wird im Spätsommer veröffentlicht.

  • Flughafen Tempelhof und weitere Orte geplant für 15.–19.9., Infos

Lucia Moholy – Das Bild der Moderne

Das Bröhan-Museum in Charlottenburg. Foto: POP-EYE/Christian Behring
Das Bröhan-Museum in Charlottenburg ist in diesem Kunstjahr mindestens einen Besuch wert. Foto: Imago/POP-EYE/Christian Behring

Die Fotografin Lucia Moholy (1894–1989) prägte das Bild vom Bauhaus. Sie war mit dem Bauhaus-Künstler László Moholy-Nagy verheiratet, lebte mit ihm am Bauhaus und auch wenn sie mit ihren Arbeiten etwas in seinem Schatten blieb, trugen im Wesentlichen dazu bei, dass die Ideen und Inhalte der Hochschule an die Öffentlichkeit zu tragen. Die Einzelausstellung widmet sich ihrem Gesamtwerk mit Porträts von Lehrenden und Studierenden sowie Aufnahmen aus den Werkstatten.

  • Bröhan Museum Schloßstraße 1a, Charlottenburg, Di–So 10–18 Uhr, 8/ 5 €, 1.10.–23.1., Tickets

Monica Bonvicini

Monica Bonvicinis Ausstellung in der oberen Halle der National Galerie gehört zu den wichtigsten Ausstellungn 2022. Foto: BBR/Thomas Bruns
Monica Bonvicinis Ausstellung in der oberen Halle der National Galerie gehört zu den wichtigsten Ausstellungen 2022. Foto: BBR/Thomas Bruns

Die gebürtige Venezianerin zählte zu den Ersten, die in den Kunst-Werken ein Atelier bezogen, inzwischen ist Monica Bonvicini (* 1965) eine der bekanntesten Künstlerinnen aus Deutschland. Ihre Themen: Macht, Architektur, Geschlechteridentitäten. Die Neue Nationalgalerie widmet ihr eine große Einzelausstellung und zeigt neben einigen ihrer bekanntesten Werken der letzten Jahrzehnte werden neue Produktionen. Dabei setzt sie einen Fokus auf den neusanierten Museumsbau Mies van der Rohes selbst als „Ikone der Moderne“ selber.

  • Neue Nationalgalerie Potsdamer Str. 50, Tiergarten, Di–So 10–18 Uhr, Do bis 20 Uhr, 10/ 5 €, 28.10.–2.4., Tickets 

Mehr zum Thema

Berlins Kunstwelt ist immer in Bewegung, fast täglich beginnen und enden Schauen. Welche Ausstellungen starten, ihr unbedingt sehen solltet und welche bald enden, lest ihr hier. In Berlin geht natürlich nicht nur jede Menge Kunst, sondern auch jede Menge Musik. Welche wunderbaren Festivals in und um Berlin herum dieses Jahr stattfinden werden, haben wir schon mal für euch zusammengetragen.

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