Ausstellungen

Kunstkopf: Lovro Artukovic

tip Wer hat das Bier bestellt?
Lovro Artukovic?(lacht) Eigentlich keiner. Bei dem Gemälde handelt es sich um eine politische Parodie auf das 1995 unterzeichnete Day­ton-Friedensabkommen, das mein Land Jugo­s­la­wien zerteilte. Politische Ereignisse gleichen Theaterinszenierungen. In der Kunstgeschichte wurden sie in glorifizierenden Historienbildern verewigt. Diese Bildsprache griff ich auf und verdrehte sie. Männer und Frauen im Bild sind Mitglieder meiner Berliner Clique – zusammengewürfelt aus unterschiedlichen Nationalitäten. In den Räumen einer Berliner Kneipe spielten sie die kroatischen, serbischen und bosnischen Präsidenten, die das Abkommen unterzeichnen sollten. Im Hintergrund zu sehen sind UN-Beauftragte und Berater vor einer Menütafel. Neben dem verwischten Wort Linsensuppe wachsen Umrisse der Karte von Jugoslawien, aufgeteilt in verschieden große Kuchenstücke.

tip Wie bist du auf diese Idee gekommen??
Artukovic Anfangs wollte ich eine typische Kneipenszene malen, aber aus angestautem Frust über die Politik in Ex-Jugoslawien ist mehr daraus geworden. Ich zolle meinen Freunden Anerkennung für das, was sie durchgestanden haben. Viele von ihnen sind Flüchtlinge. Heute trinken wir gemeinsam Bier: Bosnier, Serben und Kroaten.

Text: Laila Niklaus
Foto: Jens Berger

Ehem. Haus Ungarn
Karl-Liebknecht-Straße 9,
Di-Sa 12-18 Uhr, 28.11.-30.12.2008,
Eröffnung: Fr 28.11., 18 Uhr

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