Ausstellungen

Kunstkopf: Ricoh Gerbl

Jens-Bergertip Wie kamen Sie dazu, Menschen mit Behinderungen zu fotografieren?

Ricoh Gerbl Indem ich sie gefragt habe.

tip Wollten Sie die Menschen in einer speziellen Art und Weise zeigen?

Gerbl Ich wollte die mediale Repräsentation von Menschen mit Behinderung unterlaufen. In diesen Inszenierungen werden sie nicht als Modelle zur Illustration von Behinderung oder Skandalisierung ihrer Lebenssituation eingesetzt. Stattdessen unterlaufe ich die gängige Polarität von behindert bzw. nicht behindert, indem ich die Menschen in Situationen zeige, die auf emotionale Zustände hinweisen, etwa Ortlosigkeit, Bindungslosigkeit.

tip Weshalb stellen Sie das Projekt gerade im Medizinhistorischen Museum der Charitй aus?

Gerbl Ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit ist die „Pfropfung“. Das bedeutet, in Räume zu gehen, die von sich aus keine Kunst brauchen, aber deren Aussage sich durch die Anwesenheit von Kunst verändert. Im Medizinhistorischen Museum habe ich den Präparatesaal mit Fotografien gepfropft. Dort wird aus medizinischer Sicht Krankheit und Gesundheit, Norm und Abnormalität definiert, nun taucht über die Anwesenheit der Fotografien eine Lebendigkeit im Raum auf, die vorher an diesem Ort nicht vorhanden war.

Nachgefragt: Jacek Slaski

Foto: Jens Berger

Ricoh Gerbl „Thank You for Judging“, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charitй, Charitйplatz 1, Mitte, Di, Do-Fr, So 10-17 Uhr, Mi+Sa 10-19 Uhr, bis 11.1.2009

Weitere Kunstköpfe:

 

Mehr über Cookies erfahren